VDI-Fokusthema "Automatisiertes Fahren"

Automatisiertes Fahren prägt die Mobilität der Zukunft!

Unsere Verkehrsinfrastruktur ist überlastet. Staus verursachen enorme Umweltverschmutzungen und einen volkswirtschaftliche Schaden von geschätzt 25,2 Milliarden € pro Jahr. Der boomende Internethandel wird die Warentransporte beschleunigen und die Situation weiter verschärfen. Auch aufgrund der zunehmenden Urbanisierung wächst die Belastung der Innenstädte und Ballungszentren, während die Wirtschaftlichkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) insbesondere in ländlichen Regionen immer stärker sinkt – gleichzeitig nimmt gerade dort der Bedarf an Ersatz für das eigene Auto wegen des zunehmenden Durchschnittsalters stetig zu.

Bild: VDI

Automatisiertes Fahren hilft, diese Herausforderungen zu bewältigen, denn es ermöglicht innovative, unkonventionelle Mobilitätskonzepte. Technologien des automatisierten Fahrens können die Mobilität der Menschen verbessern, die Verkehrsunfallzahlen weiter reduzieren und auch die Effizienz und Umweltverträglichkeit des Gütertransports steigern.

Aufgrund der weiter wachsenden Bedeutung des automatisierten Fahrens für Wirtschaft und Gesellschaft hat sich der VDI entschlossen, die Debatte um diese Technologie konstruktiv mitzugestalten und sowohl Chancen als auch Herausforderungen transparent zu machen. Mit seinem aktuellen Fokusthema „Automatisiertes Fahren“ leistet der VDI einen Beitrag, die unterschiedlichen Ansätze und Konzepte der Automatisierung vorzustellen und zu diskutieren.

Welche realistischen Szenarien zeichnen sich aus Sicht des VDI bereits heute ab? Und welches sind die wichtigsten Trends? Im ÖPNV werden die heute üblichen Busse und Bahnen um kleine, automatisierte Shuttles zunächst auf ausgewählten Strecken, Fahrbahnen und Haltestellen ergänzt. Diese Shuttles sind zwar fahrerlos, werden aber wie in der Luftfahrt von einer Leitwarte aus durch Lotsen überwacht und gegebenenfalls manövriert. Aufgrund der mittelfristig niedrigeren Betriebskosten können diese Fahrzeuge in größerer Anzahl und geringerer Größe flexibler eingesetzt werden – auch außerhalb fester Fahrpläne. Erste Angebote gibt es bereits.

Autonome Taxis werden sich per Smartphone ordern, öffnen, programmieren und bezahlen lassen. Im Notfall kann der Fahrgast mit der Leitwarte Kontakt aufnehmen. Solche fahrerlosen Taxis sind noch flexibler – aber auch rechtlich und technisch anspruchsvoller. Deshalb rechnet der VDI erst ab dem Jahr 2025 mit deren Serienreife.

Auch in Privatfahrzeugen wird die Automatisierung neue Einsatzmöglichkeiten erschließen. Beim Valet-Parken hält der Fahrer exakt dort, wo er hin möchte. Zum Beispiel vor einem Geschäft oder einem Restaurant. Dort steigt er aus und das Fahrzeug fährt automatisch – unterstützt von Cloud-Diensten – auf den nächsten freien Parkplatz. Das bringt nicht nur einen drastischen Gewinn an Komfort und Zeit, sondern auch eine signifikante Reduzierung des Parkplatzsuchverkehrs. Nach Meinung der VDI-Experten wird die Einführung von Valet-Services frühestens ab dem Jahr 2025 möglich sein.

Bereits in wenigen Jahren sind Funktionen zu erwarten, die das hochautomatisierte Fahren auf Autobahnen ermöglichen. Der Fahrer muss dann nicht mehr permanent aktiv fahren, sondern nur noch bestimmte Aufgaben übernehmen, beispielsweise von der Autobahn abfahren. Macht der Fahrer dies nicht wie geplant, wird das Fahrzeug automatisiert sicher zum Stillstand gebracht. Erheblich entlasten würde diese Automatisierungsstufe nicht nur private, sondern auch Berufskraftfahrer.

Parallel wird an der drahtlosen elektronischen Vernetzung mehrerer automatisierter Nutz- Fahrzeuge, dem „Platooning“, geforscht. Durch Abstimmung des Fahrverhaltens sind vorausschauendes Fahren und geringere Abstände bei gleichbleibender Fahrsicherheit möglich, sodass der Verkehrsfluss harmonisiert und gesteigert wird. Zudem würden sowohl der Verkehrsraum pro Fahrzeug als auch der Kraftstoffverbrauch reduziert. Alle Hersteller haben solche Systeme bereits in der Planung. Erste Pilotprojekte sind avisiert.

Bild: shutterstock_metamorworks

Verkehrsunfallzahlen weiter reduzieren
Bereits heute konnte die Unfallhäufigkeit durch Fahrerassistenzsysteme (z.B. automatische Notbremsfunktion und andere aktive Sicherheitssysteme) in einigen Fahrzeugklassen um durchschnittlich fast ein Drittel gesenkt werden.

In Zukunft lässt sich die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland nach Schätzungen des VDI bis 2020 um bis zu 20 Prozent pro Jahr durch automatisierte Fahrfunktionen reduzieren. Damit birgt diese Technologie bei weitem das größte Potenzial zur weiteren Verbesserung der Verkehrssicherheit.

In neun von zehn Unfällen ist menschliches Versagen die Ursache. Da Assistenz- und Automatisierungssysteme viele physische und psychische Defizite von Fahrern kompensieren, können durch deren Einsatz die Unfallzahlen insgesamt weiter erheblich gesenkt werden.

Automatisiertes Fahren wird die Wertschöpfungskette in Deutschland grundlegend verändern. Rund 7,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands – rund 400 Milliarden Euro in 2017 – gehen direkt oder indirekt auf das Konto der Autoproduktion. In Deutschland arbeiten über 800.000 Menschen bei Fahrzeugherstellern und deren Zulieferern. Automatisiertes Fahren hat deshalb auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine zentrale Bedeutung.

Das automatisierte Fahren wird die Wertschöpfungskette in Deutschland in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Neben den alternativen Antrieben ist das automatisierte Fahren derzeit der stärkste Faktor für Technologieführerschaft im Automobilbau. Dabei zeichnen sich zwei Hauptstoßrichtungen ab. Erstens die Entwicklung zusätzlicher Funktionalitäten in den Fahrzeugen im individuellen Besitz der Fahrer, die sowohl Nutzen stiften als auch völlig neue Erlebniswelten erzeugen. Zweitens innovative Geschäftsmodelle und umfassende Mobilitätsservices.

Die Herausforderungen sind enorm. Aber unsere Ausgangsposition ist hervorragend. Aktuell stammen 52 Prozent aller weltweiten Patente zum automatisierten Fahren aus Deutschland. Die Aufgabe ist nun, diesen Wissensvorsprung konsequent in Wertschöpfung umzumünzen.

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir auch hier im Blog die vielen Aspekte und Vorteile des automatisierten Fahrens vorstellen.

Bild: VDI
Autor:
Christian Krause
Position im VDI: Leiter Berliner Büro und Ansprechpartner für politikorientierte Themen im VDI.

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