7 Tipps für's Ingenieurstudium

Wie habe ich eigentlich mein Studium geschafft?

Man findet Sie überall, die angeblich unverzichtbaren Tipps und Kniffe, wie man das Ingenieursstudium übersteht. Neben den sicherlich hilfreichen Hinweisen, wie „Lerngruppen sind das A und O“ gibt es aber aus meiner Sicht auch ein paar ganz andere Dinge, die mir auf meinem Weg geholfen haben.

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1. „Kochrezepte“
Wir Ingenieure werden nicht umsonst zu Beginn des Studiums mit Mathevorlesungen gefoltert. Es ist nun mal das Handwerkszeug, das wir benötigen, um später anwendungsbezogene Probleme lösen zu können. Allerdings liegt auch genau da der Unterschied zu den Mathematikern. Uns kann egal sein, wie genau der Beweis für irgendwelche Grenzwerte- oder Integralsätze lautet. Wir müssen diese anwenden können. Mein Tipp: Schreibt euch für den Anfang Kochrezepte für die Anwendung auf: Wenn Problem X, dann Formel Y. Dazu alles was man zur Anwendung von Formel Y wissen muss.

2. Saubere Handschrift
Ihr mögt euch fragen, warum man als Ingenieur eine saubere Handschrift benötigt. Die Antwort ist ganz einfach: handgeschriebene Formelsammlungen. Im Zeitalter wo alles 4.0 zu sein scheint, kommt es immer wieder vor, dass ein DIN A4 Blatt handbeschrieben als Hilfsmittel in der Klausur zugelassen ist, manchmal sogar nur einseitig beschrieben. Da sitzt man also und quetscht das gesamte Semester auf eine Seite Papier (Stichwort Kochrezepte) und zwar so, dass man das Ganze auch noch verstehen und lesen kann. Ein Tipp am Rande: Diese Zettel sind später Gold wert, vor allem wenn Punkt 3 zutrifft.

3. Bulimie-Lernen
Auch wenn es alles andere als nachhaltig ist, man muss nicht alle Zusammenhänge verstehen um eine Klausur zu bestehen. Manchmal ist nur genau dies das Ziel. Also heißt es sich temporär alle möglichen Dinge bis zur letzten Sekunde in den Kopf zu hämmern, diese dann über dem Klausurbogen zu entleeren und das Ganze abzuhaken. Das kann sich aber auch sehr schnell rächen, wenn im übernächsten Semester unvorhergesehen das Wissen aus dem einem Fach, von dem man dachte man brauche es nie wieder, gefragt ist. König ist, wer dann wenigstens noch die Kochrezeptsammlung parat hat.

4. Uni ist nicht Schule (eine unbequeme Wahrheit)
Viele, die ins Ingenieursstudium starten, hatten mit den naturwissenschaftlichen Fächern und auch Mathe in der Schule, selbst in den Leistungskursen, keine Probleme. Mal abgesehen von den Abiturklausuren war der Lernaufwand doch eher gering. Wer mit dieser Einstellung in der Uni weitermacht, wird gnadenlos scheitern. Ingenieursstudium heißt freiwillig selber büffeln. Die einen begreifen es früher als die anderen und manche leider erst nachdem das Ergebnis des Drittversuchs n.b. (nicht bestanden) lautet.

5. Die Vorlesung schwänzen
Ist meiner Meinung nach der beste Rat, den ich euch geben kann. Bevor jetzt alle Studienberater und Dozenten ausrasten, möchte ich erklären wann und warum Ihr der Vorlesung fern bleiben solltet: Es gibt Dozenten, die lesen einfach eins zu eins ab was auf Ihren Präsentationsfolien steht oder aber, haben das Talent selbst ein 11-Meter-Schießen im WM-Finale so zu kommentieren, dass das Stadion einschläft. Gerade bei letzterem solltet ihr euch selbst beobachten: Schaltet ihr nach 5 Minuten ab, spielt Onlinepoker oder lernt den Mensaplan für die Woche auswendig, dann verschwendet ihr eure Zeit. Es gilt Punkt 4. Beschäftigt euch dann lieber selbst mit der Thematik und Punkt 6. Solltet ihr das Pech haben und einer Anwesenheitspflicht unterliegen, könnt ihr trotzdem versuchen die Zeit sinnvoll zu nutzen.

6. Altklausuren, Altklausuren, Altklausuren
Ihr glaubt nach der Vorlesung den Durchblick zu haben? Wartet erst mal ab wie die Übung läuft. Vor allem: Bearbeitet die Übungsaufgaben im Voraus selbst. Klappt auch das, seid Ihr bereit für den nächsten Schritt. Besorgt euch Altklausuren, je mehr desto besser. Übt unter Zeitdruck die Aufgaben zu lösen. Ein Beispiel aus der Elektrotechnik: Ein Netzwerk aus Widerständen zusammenzufassen ist simpel. Hat das Netzwerk in der Klausur aber anstelle von vier Widerständen, wie in der Übung, auf einmal 17, bleibt das Kochrezept (siehe Punkt 1.) das gleiche, man benötigt aber einfach deutlich mehr Zeit. Zeit die einem wo möglich bei Aufgaben fehlt, bei denen man wirklich denken muss.

7. HiWi-Job
Die meisten Lehrstühle bieten HiWi-Jobs für Studenten an. Nutz diese Chance auf erste Einblicke in die Forschungs- bzw. Ingenieurswelt. Außerdem erhaltet ihr Einblicke, wie die Welt der Lehre von der anderen Seite aussieht. Auch wenn sich die Zeit nur bedingt als Berufserfahrung anrechnen lässt, so macht es sich im Lebenslauf allemal besser als im Supermarkt Regale einzuräumen.

Zum Abschluss möchte ich euch noch einen Rat mitgeben, der eigentlich für alle Studiengänge gilt: Genießt die Zeit und die Freiheiten, die ihr habt, und macht gehörig einen drauf. Trust me, I’m an engineer.

Informationen zum Autor: Sascha Dessel studierte von 2010 – 2017 Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universität Dortmund mit dem Abschluss Master of Science. Im VDI koordiniert und betreut er die Gremien der Fachbereiche Grundlagen & Methoden, Prozessmesstechnik & Strukturanalyse und Fertigungsmesstechnik in der Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik (GMA).

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Wie habe ich eigentlich mein Studium geschafft?

  1. Sehr guter Artikel der sich mit meiner Erfahrung weitgehend deckt.
    Vielleicht noch der Tipp, möglichst solche Fächer auszuwählen (sofern man eine Wahl hat), die einen inhaltlich interessieren, dann fällt auch das Lernen leichter.

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