New Work schafft Innovationskraft

Ein Computerriese erfindet sich neu

Der Computerkonzern IBM erlebt ein großes Come-Back. Nach dem Absturz Ende der Achtzigerjahre hat sich der Konzern innen und außen runderneuert. Kern ist ein neues Portfolio in dem nicht mehr der Verkauf von Computern allein im Mittelpunkt steht.

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Damals eine technische Sensation: IBM hatte lange als erstes Unternehmen die elektrische Kugelkopfschreibmaschine im Programm. Anders als herkömmliche Maschinen, bewegte sich nicht der Schlitten, sondern der Kugelkopf auf dem alle Schrifttypen enthalten waren.

IBM – Wiederkehr dank Wandlungsfähigkeit

Der Computer-Riese IBM ist wieder da. Der jahrzehntelange Weltmarktführer hatte den neuartigen und disruptiven Geschäftsmodellen der Konkurrenz (Microsoft, Apple, Compaq, etc.) ab Mitte der 1980er-Jahre nichts entgegenzusetzen.

IBM unterlief damals ein gravierender Fehler: Als die Firma einen der ersten Personal Computer der Welt, den PC, einführte, ließ es das neue Betriebssystem von der jungen, dynamischen Firma Microsoft schreiben. Sie konnte es schneller als die eigenen Leute. Pech für IBM: Man hielt es nicht für nötig, die Exklusivrechte an dem Programm zu sichern. Die Folge ist bekannt. Microsoft steigt zu einem der größten und mächtigsten Konzerne der Welt auf und IBM stürzt ab. Man hatte nicht erkannt, dass die Software wertvoller sein kann als das Hardware-Produkt. Die lief auf Millionen PCs weltweit, nur leider stammten diese dann nicht mehr aus IBM-Fabriken.

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Das System 360 machte IBM reich. 360 steht für den uneingeschränkten Rundumblick von 360 Grad, weil dieses System alles konnte und universal einsetzbar war. Mit den Großrechneranlagen beherrschte IBM zwei Drittel des Weltmarktes.

IBM hatte damals starre Strukturen und Hierarchieebenen mit oft sehr langen Entscheidungswegen. Der Umbau dauerte lange. Heute ist aus dem Software- und Computerhersteller in erster Linie ein IT- und Beratungsunternehmen geworden. Innovative Geschäftsmodelle und New Work haben die Firma wieder ganz nach vorne gebracht.
Sie hat ihre Strukturen umgekrempelt und innovativ sowie agil gestaltet. Als einer der ersten Konzerne weltweit führten die Amerikaner Anfang der 1990er-Jahre z.B. die Clean Desk Politik ein; also Büros ohne feste Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter nehmen ihr Notebook und setzen sich dorthin, wo gerade frei ist. Heute normal, damals eine Revolution. Der Firma gelang es immer besser, moderne Technik und New Work-Modelle zu kombinieren. IBM selbst war vermutlich das eigene Best-Practice Beispiel. Heute bietet der Konzern IT- und New Work-Lösungen in Kombination an (Watson-Work), damit andere ebenfalls kreativ und innovativ arbeiten können. Das geht von Design- und Raumgestaltung bis hin zu cloudbasiertem Arbeiten, Blockchain und Künstlicher Intelligenz (KI) im Büro.

Künstliche Intelligenz und unternehmerischer Mut

Ein besonderer Clou: IBM hat sich früh auf die Entwicklung von Großrechnern und künstlicher Intelligenz konzentriert. Der Durchbruch gelang 1997. Das System „Deep Blue“ gewann als erster Computer eine Schachpartie gegen den damaligen Weltmeister Garri Kasparow.

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Der IBM Personal Computer – Anfang vom Untergang

„Watson“ folgt auf „Deep Blue“

„Deep Blue“ war ein Vorläufer und Wegbereiter künstlicher Intelligenz. 2011 brachte die Firma mit dem System „Watson“ ein vielseitig einsetzbares KI-Programm heraus. IBM demonstrierte publikumswirksam die Fähigkeiten. Watson gewann in drei Folgen der Quizsendung Jeopardy haushoch gegen alle menschlichen Kandidaten.
Auch die Automobilindustrie könnte Watson verändern. Auf der CeBIT 2017 präsentierte IBM einen autonom fahrenden Bus bzw. Pod namens Olli. Gesteuert wird auch er im Wesentlichen von Watson. Olli ist mit dem IBM System über eine Cloud vernetzt. Die Rechenleistung stammt aus einem IBM Datenzentrum in Frankfurt.
„Watson“ kommt aber auch weltweit in der Medizin, insbesondere der Krebsdiagnostik, zum Einsatz. Es analysiert die Patientenakten, Laborwerte und vergleicht sie mit Millionen von Datensätzen und wissenschaftlichen Studien weltweit. In Zukunft könnte es so Ärzten eine wichtige Hilfe im Kampf gegen Krebs werden.

Und IBM? Nach Jahren des Jobabbaus will die Firma in den kommenden Jahren allein im deutschsprachigen Raum bis zu 2.200 Mitarbeiter neueinstellen. Das berichtete das Handelsblatt Anfang August. 2017 stieg der Umsatz auf 20 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn kletterte auf 2,4 Milliarden US-Dollar. IBM – Ein Riese ist wieder da. Heute beschäftigt er keine Fließbandarbeiter mehr, die PCs zusammenschrauben. Stattdessen setzt er auf hochspezialisierte Ingenieure, IT-Spezialisten und New Work-Experten, mit denen er an der Zukunft arbeitet.

Wie einst IBM müssen sich heute zahlreiche Unternehmen und Ingenieure aus allen Bereichen dem digitalen Wandel stellen. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen sie einerseits kreativ arbeiten können und andererseits fachlich qualifiziert sein. Innovationen werden aber nur möglich, wenn Mitarbeiter kreativer, eigenverantwortlicher und mutiger arbeiten können: New Work.

Das VDI Wissensforum bietet zahlreiche Veranstaltungen und Fortbildungen für Ingenieure und setzt dabei ebenfalls auf die Vermittlung von fachlichem Wissen und Qualifikationen sowie New Work-Modellen.

#nwing – Das New Work Event für Ingenieure ist eine neue Veranstaltung rundum die Digitale Revolution der Ingenieurs-Arbeitswelten. Am 07. Und 08. November 2018 in Düsseldorf.

Die “International VDI Conference – Future of AI in Automotive” betrachtet den modernen Einsatz künstlicher Intelligenz in der Automobilbranche vom 11.-12. Dezember in Berlin.

Künstliche Intelligenz kommt auch im Maschinenbau, der Robotik und Smarten Fabriken zum Einsatz. Das VDI-Event „Robotik für die Smart Factory“ umfasst insgesamt fünf Einzelveranstaltungen und zeigt Innovationen im Bereich der Industrierobotik vom 11.-12. Dezember 2018 in Baden-Baden auf.

 

Autor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

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