Energiewende als Herausfordung und als Motor für Innovation

Ausstieg aus Kohleverstromung fördert Innovationen

Die Vorschläge der Kommission schaffen die Rahmenbedingungen des Ausstiegs aus der Kohleverstromung und sind ein richtiger und wichtiger Schritt, um die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Bild: shutterstock_ Musicheart7

Das Braunkohlekraftwerk von RWE in Eschweiler−Weisweiler.

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland ist die Initialzündung zur Entwicklung hoch innovativer Technologien, die heute noch nicht oder nicht marktreif entwickelt sind, um ihn erfolgreich zu gestalten und dabei sicherzustellen, dass sich die Strompreise sozialverträglich entwickeln.

Für den Übergang von jederzeit verfügbaren Kraftwerken auf eine Stromversorgung aus überwiegend stark schwankenden erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne ist eine stärkere Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr, der temporäre Einsatz flexibler Erzeugungsanlagen und der Einsatz verschiedener Speicherformen erforderlich. Dieses Zusammenspiel in einem hochdynamischen System mit Millionen von dezentralen Erzeugern und Verbrauchern ist ohne eine umfassende Digitalisierung und eine zeitnahe Umsetzung des geplanten HGÜ-Netzausbaus nicht vorstellbar.

Die Ingenieure und Unternehmen in Deutschland haben das hierfür notwendiges Wissen und werden auf die existierende und noch zu entwickelnde Forschungsinfrastruktur zurückgreifen. Durch den Einsatz dieser Technologien tragen wir nicht nur zum Klimaschutz bei uns in Deutschland bei, sondern sammeln über die Erfahrungen in der Anwendung im heimischen Markt die Technologiekompetenz, die für Export dieses neuen, innovativen Energiesystems erforderlich ist. Auf diese Weise wird der Ausstieg aus der Kohleverstromung zur Stärkung der Innovations- und Technologiekompetenz sowie zur Exportfähigkeit des Industriestandorts Deutschland beitragen. Und dabei auch die globale Vermeidung von Klimagasen sicherstellen.

Es werden auch neue Technologien für die Sektoren Industrie und Verkehr notwendig. Während viele industrielle Technolgien energetisch effizienter werden, müssen in einigen sehr CO2-intensiven Bereichen neue Verfahren entwickelt werden wie z.B. eine nahezu klimaneutrale Produktion von Roheisen mittels regenerativ erzeugtem Wasserstoff oder die Nutzung der prozessbedingten CO2-Emissionen als Rohstoff in der chemischen Industrie und die Produktion von synthetischen Kraftstoffen.

Auch im Verkehrssektor werden innovative CO2-freie Technologien neue Marktpotentiale für den Technologieexport erschlossen, wie zum Beispiel mit Wasserstoff und Brennstoffzellen oder batterieelektrisch angetriebenen Kurzstreckenflugzeugen oder Schwerlastwagen mit diesen Techniken und einer zusätzlichen Oberleitung für die langen Autobahnfahrten.

Darüber hinaus gibt es jetzt schon Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz in allen Bereichen, wie z.B. LED-Beleuchtung, hocheffiziente elektrische Antriebe samt elektronischer Drehzahlregelung oder Weiße Ware mit dem Energieeffizienzlabel A+++. Insbesondere im Wärmesektor, der heute noch einen großen Anteil an den CO2-Emissionen hat, sind jetzt schon ökonomisch effiziente Technologien verfügbar. Neben der Wärmedämmung von Dach, Keller, Wänden und dreifachverglasten Fenstern stehen Brennwert-Heizkessel, elektrisch angetriebene Wärmepumpen, und für größere Gebäude Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wie BHKW zur Verfügung.

Energiegewinnung durch Windparks

Klimaschutz wird durch den erforderlichen technologischen Wandel und Austausch des Kapitalstocks mit innovativen Technologien Deutschland voranbringen. Was sich heute teilweise noch nach Science Fiktion anhört, kann morgen Exportschlager für die deutsche Industrie werden und Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen.

Begreifen wir die Energiewende als Herausfordung und als Motor für Innovation, Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung in Deutschland.

Autor: Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke,
Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Karlsruhe und Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU)

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