Was können und FTS und wo werden sie eingesetzt?

Von der Pillendose bis zum Flugzeugrumpf – Fahrerlose Transportsysteme

Auf der Hannover Messe 2019 haben wir ein Fahrerloses Transportsystem (ein sog. FTS) von bluebotics aus der Schweiz bei uns am Stand.
Unserem Kollegen Jean Haeffs haben wir dazu ein paar Fragen gestellt:

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Was sind Fahrerlose Transportsysteme?
Fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind innerbetriebliche, flurgebundene Fördersysteme mit automatisch gesteuerten Fahrzeugen, deren primäre Aufgabe der Materialtransport, nicht aber der Personentransport ist. Sie dienen zum Ziehen und/oder Tragen von Fördergut mit aktiven oder passiven Lastaufnahmemitteln. In der Richtlinie VDI 2510 werden FTS exakt definiert.

Woraus bestehen Fahrerlose Transportsysteme?
Die Bestandteile eines FTS sind:
• Eine Leitsteuerung
• Einrichtung zur Standortbestimmung und Lagererfassung der Fahrzeuge
• Einrichtung zur Datenübertragung zur Kommunikation zwischen dem Leitsystem und den Fahrzeugen
• Infrastruktur und periphere Einrichtungen (z.B. Ladestationen, Lastübergabestationen etc.

Warum sind Fahrerlose Transportsysteme so wichtig für die Logistik?
Fahrerlose Transportsysteme werden verwendet, um Waren und Materialien in einer Fabrik mit Lastaufnahmegeräten (die aktiv oder passiv sein können) automatisch zu transportieren und umzuschlagen. Die FTS sind dabei flurgebunden (d.h. sie fahren auf dem Fußboden des Gebäudes und hängen z.B. nicht an Schienen unter der Decke) und können sowohl innerhalb von Gebäuden als auch im Außenbereich und in Außenlagern eingesetzt werden. Dank der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Systeme, der Fahrzeuge und der verwendeten Technik können immer mehr Betriebe auf die Vorteile solcher Transportsysteme zurückgreifen und diese flexibel und effizient in der eigenen Intralogistik einsetzen.

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Welche Einsatzgebiete für FTS gibt es?
Fahrerlose Transportsysteme sind inzwischen weltweit und in ganz verschiedenen Anwendungen im Einsatz. Sie können sowohl in der Fabrik, in Bereichen mit Personenverkehr (dann müssen sie besondere Sicherheitseinrichtungen haben und dürfen nicht schneller als ein Fußgänger fahren) als auch in vollständig automatisierten Arbeitsbereichen eingesetzt werden (dann mit deutlich höheren Geschwindigkeiten). Begrenzende Faktoren sind hierbei vor allem die Bremswege und die Lastwechsel der transportierten Waren). Sie sind in ihrer Ausgestaltung also enorm flexibel. Transportfahrzeuge im FTS können problemlos an die jeweiligen Aufgabengebiete angepasst werden.
Im Kleinlagerbereich beispielsweise transportieren die Fahrzeuge nur einige wenige Kilogramm an Waren, während die großen Systeme mit Lasten von bis zu 50 Tonnen unterwegs sind.

Die Fahrzeuge werden heute übrigens nicht mehr nur zum Transportieren von Waren von A nach B eingesetzt. Man kann auch einen Roboter auf das Fahrzeug bauen oder einen Bildschirm. Dann hat man einen selbstfahrenden Roboter oder ein mobiles Bedienterminal.
FTF werden u.a. in Krankenhäusern eingesetzt, um Betten zu Transportieren oder Essen auf den Stationen zu verteilen. Außerdem automatisieren sie Kehr- oder Putzmaschinen für große Gebäude, transportieren Überseecontainer im Hafen in Hamburg vom Schiff zum Stellplatz und zurück, sie ziehen sogenannte Routenzüge in Montagewerken ohne Fahrer, sie holen und bringen Abfallbehälter oder Sammelbehälter in mechanische Fertigungen, sie transportieren Paletten oder andere Ladungsträger durch die Fabrik, sie sind mobile Kommissionier-Roboter, also Roboter, die eigenständig von Regalfach zu Regalfach fahren und dort Ware aus einem Behälter nehmen.
Rein technisch betrachtet sind also der Rasenmäher-Roboter oder der Staubsauger-Roboter, den viele Menschen schon zuhause haben, FTS.
Grundsätzlich sind Fahrerlose Transportsysteme mit Handling-Funktionen inzwischen auch in verschiedensten Anwendungen involviert – ob das Handling jetzt durch einen Roboter oder durch ein anderes System erledigt wird, spielt dabei keine Rolle.

Im Prinzip gibt es nichts, das ein FTF nicht transportieren könnte – von der Pillendose bis zum Flugzeugrumpf.

Jean Haeffs, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (GPL)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besuchen Sie uns auf der Hannover Messe 2019, Halle 2, C40, Halle 19 und in Halle 27. 

Das Interview führte: Stephan Hasselbach
Position im VDI: Marketingreferent

 

 

 

 

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