Karrieretipp des Monats

Die interne Bewerbung – der Schritt vor dem Wechsel

Wer einen internen Stellenwechsel in Betracht zieht, sieht in der Regel eine Reihe von Vorteilen, die in vielen Fällen auch zutreffen. Man kennt sich im Umfeld schon aus, die interne Karrierefortsetzung ist wertvoll im Lebenslauf, Firmenzugehörigkeit, Netzwerk und Mentoren bleiben erhalten, etc. Dies gilt insbesondere, wenn im Unternehmen der interne Wechsel professionell etabliert und ein Routinevorgang ist. Große Konzerne rekrutieren auf diese Weise viele, manchmal sogar alle ihrer freien Positionen.

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Doch es gibt auch Konstellationen, die vorab ein wenig mehr Augenmerk und Fingerspitzengefühl benötigen – und auf diese möchte ich heute eingehen. Natürlich wünsche ich Ihnen für Ihren persönlichen Fall, dass ich hier schwarz male und dass Sie die risikoarme Variante erleben. Und ich schreibe zwar „er“, und schließe alle „sie“ mit ein.

Zunächst einmal sollten Sie auch vom Ende der Angelegenheit her denken: was passiert bei einer erfolgreichen internen Bewerbung? Und was bei einer erfolglosen? Denn es ist nicht garantiert, dass Sie zum Zuge kommen, außer Sie wurden auf die offene Stelle von „oben“ hingewiesen. Und selbst dann…

Während die externe Bewerbung mit großer Wahrscheinlichkeit Ihre vertrauliche Angelegenheit bleibt, bis Sie kündigen, ist das bei einer internen Bewerbung meist nicht der Fall. Im Klartext: auch bei zugesicherter Vertraulichkeit fällt es intern wesentlich leichter, Auskünfte einzuholen, Kollegen bekommen Terminvereinbarungen und Telefonate mit der Personalabteilung mit oder testen Ihre Reaktion auf die „Traumstelle“, die im Intranet inseriert ist.

Gehen Sie also besser davon aus, dass Ihre Wechselabsichten Ihrem derzeitigen Chef bekannt werden. Wenn Sie Ihre Karrierepläne nicht schon selbst offen gelegt haben, z. B. im Jahresgespräch, dann ist jetzt der späteste Zeitpunkt, dass er es direkt von Ihnen erfährt. Fragen Sie sich vorab und geben Sie nach Möglichkeit eine ehrliche Antwort: löst das für ihn ein Problem („Endlich werde ich ihn/sie los….“ Oder „gut, das ist dann meine Maßnahme, um die Personalkosten zu reduzieren“) oder erzeugt es ein neues Problem („Wer soll denn nun dieses Projekt zu Ende bringen….“, „Die Stelle kriege ich nun nie mehr besetzt“)? Es gab schon Fälle, da war der Vorgesetzte persönlich getroffen und hat von „in den Rücken fallen“ gesprochen und ein ehemals gutes Verhältnis war lange belastet. Versuchen Sie, seine Perspektive einmal einzunehmen. Gut, wenn Sie in einem vertrauensvollen Gespräch seine Argumente direkt von ihm erfahren.

Entsprechend wird er unter Umständen versuchen, Einfluss zu nehmen. Und wenn Ihr Chef sogar wohlwollend Ihrem Veränderungswunsch begegnet, weil er sich grundsätzlich klar ist, dass man Reisende nicht halten soll, gibt es noch weitere Instanzen, die sich eventuell einmischen können.

Bei der Entscheidungsfindung sind also wesentlich mehr Stakeholder aktiv und gleichzeitig am Geschehen beteiligt, als das bei einer externen Bewerbung der Fall ist, bis hin zur Arbeitnehmervertretung, die ggf. bei Ihrer Bewerbung eine eigene Agenda verfolgt.
Hier kann es ratsam sein, je nach Gesamtsituation, vor der offiziellen Bewerbung zunächst das Terrain zu sondieren.

Und wie ist das nun, wenn Sie nicht berücksichtigt wurden? Bei einer (oder vielen) externen Bewerbung(en) abgelehnt zu werden, ist letzten Endes nur Ihnen bekannt. Bei einer internen Ablehnung ist das etwas öffentlicher – und es ist manchmal auch für die Verantwortlichen ein anspruchsvoller Prozess, die Entscheidung zu kommunizieren.
Bei einer Kündigung und dem Wechsel zu einem externen Arbeitgeber, sofern es sich nicht um einen Kunden oder Lieferanten handelt, sind Sie „weg“, ggf. inklusive Freistellung. Bei einer internen Veränderung weiterhin „da“ – und zwar sogar ziemlich gleichgültig, ob am alten oder neuen Arbeitsplatz.

Doch diesen Themenkomplex bietet Stoff für die Fortsetzung, wenn Sie daran interessiert sind. Schreiben Sie mir doch formlos, ob mein Beitrag nützlich für Sie war.

Die Autorin: Christine König ist VDI-Karriereberaterin. Die Ingenieurin ist seit 2011 selbstständig als Unternehmensberaterin und Interimsmanagerin tätig.

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Die interne Bewerbung – der Schritt vor dem Wechsel

  1. Also ich denke, wer immer gut arbeitet und vielleicht auch mit Leistungserfassung stempelt, der sollte sich nicht einreden, dass sich der Vorgesetzte über weniger Personalkosten freut. Denn eigentlich war man ja ein guter Mitarbeiter. Das mit dem persönlichen Kontakt zum Vorgesetzten kenne ich allerdings auch.

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