Food Security

„Verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln ist mir enorm wichtig“

Ein Projekt von VDI-Studierenden aus Deutschland und Brasilien will mit sogenanntem Vertical Farming die Unterernährung bekämpfen. Christina Bauer kommt aus Nürnberg und studiert dort Life Science Engineering. Sie achtet sehr auf die Qualität und die Herkunft der Lebensmittel. Daher entwickelt sie derzei mit anderen Studierenden aus Deutschland und Brasilien eine Box, die einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leistet.

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Wie wichtig ist Dir Food Security?

Um es einfach zu sagen: sehr wichtig! Allerdings hat ein Beitrag zu Food Security viele Facetten, abhängig von den gesetzten Schwerpunkten und der Gewichtung einzelner Aspekte.

Welcher Aspekt von Food Security ist der wichtigste?

Im Deutschen spricht man von Ernährungssicherung oder Ernährungssicherheit. Das betrifft sowohl Qualität als auch Verfügbarkeit. Mir persönlich ist es sehr wichtig, auf die Qualität und die Herkunft der Lebensmittel zu achten. Jeder trägt Verantwortung und sollte sich beim Einkauf bewusst entscheiden. Wer beispielweise regional und saisonal einkauft fördert die regionale Landwirtschaft und leistet einen Beitrag zur Umweltentlastung durch Importprodukte.

Zusätzlich wird in Deutschland zu viel weggeschmissen, in privaten Haushalten wie im Einzelhandel. Hier sollte ebenfalls jeder bei sich selbst anfangen und Lebensmittel besser und bewusster einteilen, so dass keine Müllmengen entstehen.

Zusammengefasst bedeutet Food Security für mich einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Lebens- und Nahrungsmitteln und ist daher enorm wichtig!

Ihr entwickelt derzeit eine Box, mit der das sogenannte Vertical Farming möglich ist. Was sind die Vorteile dieser Box und wie kann sie eingesetzt werden?

Mit der von uns designten Box können in jedem Haushalt Nahrungsmittel sehr simpel und ohne großen Aufwand angebaut werden. Die Box in den eigenen vier Wänden ermöglicht eine konstante Überwachung, so dass man gezielt Einfluss auf die Qualität des Produkts nehmen kann. Zudem pflanzt man nur so viel an wie man verbrauchen möchte. Falls man doch zu viel produziert, kann der Überschuss kompostiert und z. B. als Dünger verwendet werden.

Diese Box könnte für Kindergärten, Altenheime, Unternehmen oder Krankenhäuser eingesetzt werden. So bekommen verschiedene Gesellschaftsschichten und unterschiedliche Altersklassen Zugang zum Anbau eigener Nahrungsmittel mit steuerbarer Qualität.

Wie ist sie aufgebaut? Wie ist der Wasserverbrauch?

Unsere Box soll wie ein Modulbaukasten beliebig ausbaubar sein. Man wird mit nur einem Element starten und dann nach Belieben anbauen können. Damit jeder, auch ohne grünen Daumen, Lebensmittel anpflanzen kann, wird die Box mit verschiedenen Steuer- und Regelelementen ausgestattet sein. Diese Ausstattung wird einen weitgehend autarken Wachstumszyklus sicherstellen. Der Wasserverbrauch hängt ab von den angebauten Lebensmitteln, allgemein wird er sich aber in Grenzen halten, da das Wasser im System verbleibt und nur sporadisch wird erneuert werden müssen.

Wieso engagiert ihr euch in dem Projekt?

Meine Bewerbung zu diesem Projekt hatte mehrere Gründe. Zum einen besteht ein relevanter Teil meines Life Science Engineering Studiums daraus, Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen und erlernte Kenntnisse in technische Lösungen umzusetzen. Diese Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden, ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen wollte. Zudem spielt das Thema Nahrungsmittelqualität in meinem privaten Umfeld eine immer größere Rolle.

Der Hauptgrund für mein Engagement war jedoch meine Mitarbeit in einem sozialen Projekt in Kolumbien. Während meiner Zeit dort unterstützte ich eine NGO im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und konnte erleben wie mit kleinen Hilfsmitteln, z. B. Hochbeten, den Menschen dabei geholfen werden konnte, über das ganze Jahr ihre Lebensmittel anzubauen.

Inwiefern ist die interkulturelle Zusammenarbeit von Vorteil?

Die interkulturelle Zusammenarbeit bietet uns den Vorteil, Probleme und Lösungsansätze aus verschiedenem Blickwinkel beleuchten und diskutieren zu können. Die unterschiedlichen Studiengänge mit verschiedenen Lerninhalten und die persönlichen Erfahrungen jeder einzelnen Person im Team machen den Austausch in der Gruppe einzigartig.

Außerdem haben schon jetzt beide Gruppen bei der jeweils anderen einen positiven Eindruck hinterlassen. Es konnte mit vielen Klischees aufgeräumt und ein besseres Verständnis für das jeweils andere Land und die Lebenssituationen und Denkweise der Menschen dort geschaffen werden.

Was mögt ihr an der Arbeit im internationalen Team? Was denkt ihr, bringt euch das für euren späteren Beruf?

Die internationale Zusammenarbeit bringt einige Vorteile und einige Herausforderungen mit sich. Die Herausforderungen beginnen bei der Kommunikation, sowohl was die Sprache als auch die Art der Kommunikation betrifft. Unser Informationenaustausch findet abgesehen von den beiden Projekttreffen online statt. Dafür nutzen wir eine Reihe unterschiedlicher Tools und Online-Plattformen. Das bringt für mich den Vorteil, sich einmal genauer mit den Möglichkeiten, die einem das World Wide Web bietet, auseinanderzusetzen. So können wir online diskutieren, Dokumente und Daten austauschen und gemeinsam an der Erstellung von neuen Präsentationen arbeiten.

Die Sprache spielt insofern eine wichtige Rolle, dass Englisch für alle die erste oder zweite Fremdsprache ist und die Kommunikation zu fachlichen Themen zu einer Herausforderung macht. Man muss immer darauf achten, dass alle das gleiche Verständnis des Gesagten haben. Der Kommunikationsbedarf ist deutlich erhöht, da alles intensiv und detailliert besprochen werden muss.

Diese Erfahrungen führen zu einem besseren Verständnis für die Bedeutung von Kommunikation. Da im Berufsleben Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenarbeiten müssen, ist es wichtig, im Team Transparenz herzustellen und ein einheitliches Verständnis zu schaffen.

Vielen Dank!

Das Interview führte: Hanna Büddicker
Position beim VDI: Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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