Von der Vision, Weltmeere von Plastikmüll zu befreien

Pacific Garbage Screening

Die Architektin Marcella Hansch hat eine Vision, sie will die Weltmeere von Plastikmüll befreien. Dafür hat sie eine Anlage zur Säuberung von Flüssen und Meeren konzipiert und im Jahr 2016 den gemeinnützigen Verein „Pacific Garbage Screening“ gegründet. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team von Ingenieuren, Architekten und Meeresliebhabern arbeitet sie seitdem an der Umsetzung ihrer Vision.

Bild: Pacific Garbage Screening e.V.


Frage 1: Hallo Marcella, im Rahmen Deiner Masterarbeit an der RWTH Aachen hast Du eine Technologie entwickelt, mit welcher sich Plastikmüll aus dem Wasser filtern lässt. Wie genau funktioniert Deine Erfindung?

Die Plattform soll aus etlichen Kanälen bestehen, die mehrere Meter in die Tiefe reichen. Das Wasser strömt durch diese Kanäle, was wiederum die Strömung beruhigt und uns erlaubt, das aufsteigende Plastik abzuschöpfen. Dazu muss man wissen, dass ein Teil des Plastiks leichter ist als Wasser und ohnehin an der Oberfläche schwimmen würde, wenn es die Strömungen und der Bewuchs nicht nach unten transportieren würde. Das Besondere an unserer Plattform ist, dass Lebewesen einfach durch die Kanäle hindurchschwimmen können; sie ist also keine Gefahr für Flora und Fauna. Entgegen unserer ursprünglichen Idee, die Plattform auf dem offenen Meer schwimmen zu lassen, ist es nun unser Ziel, sie in Flussmündungen einzusetzen– dort, wo all der Plastikmüll erst in unsere Weltmeere gelangt.

Bild: Pacific Garbage Screening e.V.


Frage 2: Was passiert mit dem Plastik, nachdem es gefiltert wurde?

Ganz wichtig: Wir wollen es nicht verbrennen! Das wäre ebenfalls umweltschädlich, und eine womöglich nutzbare Ressource wäre verloren. Vielmehr arbeiten wir mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen daran, thermochemische Umwandlungsprozesse zu optimieren und biotechnologische Verwertungspfade zu entwickeln, die es uns erlauben, den Müll umweltfreundlich weiter zu verwerten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Kunststoffe zurück in den Kreislauf geführt werden, um sie möglichst sinnvoll zu nutzen und weitere Ressourcen zu schonen.

Bild: Pacific Garbage Screening e.V.


Frage 3: Im Jahr 2016 hast Du den gemeinnützigen Verein „Pacific Garbage Screening“ gegründet. Ziel des Vereins ist es, die Technologie, die Du entwickelt hast, zu realisieren. Wo steht das Projekt im Jahr 2019? Und wo im Jahr 2029?

Gerade im vergangenen Jahr haben wir riesige Fortschritte gemacht. Parallel zu der Forschung und Entwicklung der Plattform sind wir in ganz Europa für Vorträge und Kooperationen unterwegs. Das hilft uns dabei, unsere Entwicklung zu finanzieren. Glücklicherweise können wir bereits die ersten Vollzeitstellen und einige Aushilfejobs bezahlen, sodass wir kontinuierlich fortschreiten. Übrigens auch im Bereich Umweltbildung, unserem zweiten Standbein. Denn wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, das Problem an der Wurzel zu packen und nicht nur hinterher „aufzuräumen“. Wir bauen deshalb zurzeit auch den Bereich Umweltbildung aus, besuchen Schulen und andere Bildungsstätte, halten Vorträge, starten Kampagnen. In zehn Jahren möchten wir damit möglichst viele Menschen erreicht haben und Plattformen vor allem dort einsetzen, wo das meiste Plastik in die Meere gelangt.

Frage 4: Es heißt ja immer, der Konsument hat heutzutage so viel Macht. Was kann jeder Einzelne im Alltag ganz konkret tun, um Plastik zu vermeiden?

Es beginnt ja schon beim Einkaufen von Pflegeartikeln. Shampoo-Behälter zum Beispiel lassen sich leicht durch festes Shampoo ersetzen. Und was auch viele nicht wissen: In unserer Kleidung steckt viel Mikroplastik, das beim Waschen ins Abwasser gelangt und so auch in Flüsse und Meere. Und vor allem Mikroplastik ist für Tiere gefährlich. Vollständig vermeiden lässt es sich in der Kleidung nur, indem wir auf synthetische Kleidung verzichten. Das ist vor allem bei Sportkleidung schwierig. Doch es hilft schon, immer wenn möglich mit niedriger Temperatur zu waschen, Filter oder Waschbeutel zu nutzen und keine Weichspüler einzusetzen.

Frage 5: Gestatte uns eine letzte Frage. Helmut Schmidt hat mal gesagt, wer eine Vision hat, sollte zum Arzt gehen. Warum hatte er Unrecht?

Weil Visionen doch letztlich den Anstoß zu Veränderung geben! Selbst wenn viele Visionen letztlich nicht genau so Wirklichkeit werden, bergen sie das Potenzial, den Menschen Kraft und Mut zu geben. Wir alle brauchen eine Aufgabe und ein Ziel, das uns immer vorschwebt und das wir eines Tages erreichen wollen – nur so wagen wir es, wirklich etwas zu verändern. Ich sage: Wer Visionen hat, sollte sich Unterstützer suchen und den Schritt wagen, sie umzusetzen!

Bild: Marcella Hansch

Autorin: Marcella Hansch

Gründerin + Vorstandsvorsitzende

M.Sc. Architektin

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