Mehr als nur Chemie!

Was macht eigentlich ein Chemieingenieur?

Erinnerst du dich noch an deinen Berufswunsch aus der Kindheit? In einer Umfrage unter Kindern und Jugendlichen landeten in den Top 10 neben alltäglichen Berufen wie Polizist und Lehrer auch außergewöhnliche Tätigkeiten wie Astronaut und Prinzessin. Ein Chemieingenieur findet sich nicht darunter. Warum eigentlich nicht?

Wir stellen den Studiengang Chemieingenieurwesen vor, zeigen in welchen Berufen man später damit arbeiten kann und wo die Unterschiede zu einem Chemiestudium liegen.

Worum geht es eigentlich?

Das Gummi deiner Fahrradreifen muss ganz bestimmte Eigenschaften haben. Es darf nicht zu glatt sein, damit du beim Bremsen nicht wegrutschst. Es muss elastisch sein, damit man es über die Felge ziehen kann. Außerdem sollte es nicht zu schnell kaputt gehen, wenn es wahlweise zu kalt, zu warm, zu nass oder zu trocken ist. Chemiker arbeiten daran, Kunststoffe herzustellen, die diese Anforderungen erfüllen. Ist ihnen das gelungen, beginnt die Arbeit des Chemieingenieurs. Er überträgt das Verfahren, mit dem der Chemiker in seinem Labor ein paar Gramm des Kunstoffs hergestellt hat, auf einen viel größeren Maßstab zur Produktion mehrerer Tonnen. Dabei stellen sich ganz neue Herausforderung. Zum Beispiel ist es viel wichtiger, dass Rohstoffe und Energie effizient genutzt werden. Abfälle und Abgase können nicht einfach im Labormüll oder in der Luft entsorgt werden, sondern sie werden am besten weiterverwendet oder gereinigt. Und selbstverständlich hat die Sicherheit der Produktionsanlage allerhöchste Priorität.

Natürlich sind die Aufgaben des Chemieingenieurs nicht auf die Herstellung von Fahrradreifen begrenzt. Allein die Bandbreite an möglichen Kunststoffen ist riesig. Dazu kommen noch viele andere Produkte, wie Medikamente, Kosmetika, Lebensmittel, Kraftstoffe oder Reinigungsmittel.

Bild: shutterstock_337062737 Christian Lagerek

Das Studium

Die Inhalte im Studium sind sehr vielfältig. Am Anfang geht es hauptsächlich um Grundlagen in Mathe, Chemie und Physik. Die brauchst du für die verfahrenstechnischen Themen, wie z. B.

  • Was passiert, wenn sich verschiedene Stoffe miteinander mischen und was man tun muss, um sie wieder voneinander zu trennen?
  • Wie dick muss die Wand von einem Druckbehälter sein und welche Werkstoffe sind dafür geeignet?
  • Welche Leistung muss eine Pumpe aufbringen, um eine Flüssigkeit durch ein Rohr zu befördern?
  • Was muss man bei der Reaktion von zwei Stoffen beachten, damit möglichst viel Produkt entsteht und der Reaktor nicht explodiert?

Weil auch in der chemischen Industrie heute nichts mehr ohne Computer geht, ist auch Programmierung und der Umgang mit speziellen verfahrenstechnischen Computerprogrammen ein wichtiger Baustein des Studiums. Und da Chemieingenieure sehr interdisziplinär arbeiten, bieten viele Unis auch Vorlesungen zu nicht-technischen Themen wie z. B. Betriebswirtschaftslehre oder Patentrecht an.

Chemieingenieurwesen studieren auch ohne Chemie-LK im Abitur? Kein Problem! Die richtige Wahl deiner Kurse in der Schule bringt dir vielleicht einen kleinen Vorsprung in den ersten Semestern, aber spätestens nach der Grundlagenphase ist der aufgebraucht. Viel wichtiger sind ein grundsätzliches Interesse an Naturwissenschaften und Technik, keine Angst vor Mathe und die Bereitschaft, dich neuen Herausforderungen zu stellen.

Nach dem Studium

Die Berufsbilder für Chemieingenieure sind sehr vielfältig. Die meisten Chemieingenieure arbeiten in der chemischen Industrie oder verwandten Industriezweigen wie der Pharmaindustrie, der Automobilindustrie oder im Anlagenbau. Sie kümmern sich um den ordnungsgemäßen Ablauf der Produktionsverfahren, die Verbesserung von Prozessen und die Planung von neuen Verfahren. Auch Forschungseinrichtungen und der öffentliche Dienst sind mögliche Arbeitgeber für Chemieingenieure. Dabei arbeiten sie in der Regel eher mit dem Computer an einem Schreibtisch als dass sie selbst handwerklich tätig sind. Es kann aber auch vorkommen, dass sie Experimente in Laboren durchführen oder draußen in der Produktionsanlage nach dem Rechten sehen.

Auch wenn Geld nicht die einzige Motivation sein sollte, so ist es sicherlich ein weiterer Grund den Studiengang zu wählen. Chemieingenieure gehören zu den absoluten Top-Verdienern! Außerdem gibt es in der chemischen Industrie einen hohen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, weshalb das Risiko von Arbeitslosigkeit sehr gering ist.

Alternativen

Es gibt an deiner Wunsch-Universität keinen Studiengang für Chemieingenieurswesen? Erweitere deine Suche um Studiengänge wie Chemietechnik, Bioingenieurwesen und Energie- und Prozesstechnik. Auch gibt es an manchen Unis die Möglichkeit im Studiengang Maschinenbau zu starten und sich später in den Bereich Verfahrenstechnik zu vertiefen.

Bild: Nora Gold - Universität PaderbornAutor: Lukas Bolenz, kreative junge Verfahrensingenieure (kjVI)

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*