Die zirkuläre Wertschöpfung von Grund auf berücksichtigen

Nachhaltigkeitsdebatte bringt frischen Wind in die Ingenieurausbildung

Der menschengemachte Klimawandel ist zu Recht eines der beherrschenden Themen unserer Zeit. Demzufolge ist zu erwarten, dass die Folgen unseres Konsumverhaltens Berufseinsteiger und Studierende der Ingenieurswissenschaften sehr beschäftigen. Der Nachwuchs trägt dieses Bewusstsein verstärkt in die Ingenieurausbildung. So entsteht die Forderung an die Lehre, den Nachhaltigkeitsgedanken intensiver bei der Gestaltung der Lehrinhalte zu berücksichtigen.

Bild: Thomas Wollstein

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat auch auf die Lehre Einfluss.

Diese Entwicklung hat bereits zu neuen Studiengängen geführt, welche den Schwerpunkt Nachhaltigkeit in puncto Studienaufbau und -inhalte von Grund auf berücksichtigen. Aber auch in bestehenden Studiengängen gewinnt das Nachhaltigkeitsthema zunehmend an Bedeutung. Dies lässt sich daran erkennen, dass zunehmend Lehrstoff vermittelt und diskutiert wird, welcher über den Gedanken der Effizienz hinausgeht. Beispielsweise ist die Wahrnehmung dafür zu schärfen, dass Hersteller das Lebensende eines Bauteils planen sollten und damit zugleich seine Up- bzw. Recycling-Fähigkeit. Getrieben wird dies Entwicklung unter anderem durch die selbstauferlegte Bereitschaft und Verpflichtung bei jungen Menschen, den Nachhaltigkeitsgedanken nach außen hin deutlich und wahrnehmbar zu äußern sowie bei der Berufs- und Studienwahl zu berücksichtigen.

Nachhaltigkeitsdebatte führt zu fünf Thesen

Auch unter den VDI-Nachwuchsingenieur*innen wird dieser Prozess gelebt und ist nachzulesen in der Januarausgabe des iQ-Journals, unserem Mitgliedermagazin. Dort formulieren angehende beziehungsweise frischgebackene Ingenieur*innen der VDI-Organisation SuJ ihre Gedanken und Thesen zum Thema Nachhaltigkeit sowie Ingenieurausbildung im Kontext der aktuellen Klimadiskussion. Den Artikel, übrigens auf den Seiten 8 und 9 zu finden, habe ich mit Begeisterung gelesen. Denn der Beitrag zeigt deutlich, dass angehende Ingenieur*innen und Berufsanfänger im Ingenieurbereich ihre Umgebung genau beobachten sowie analysieren, um abwägen zu können und in der Lage zu sein, belastbare Schlüsse zu ziehen. Als Ergebnis dieses Prozesses wurden im Artikel „Heiße Debatte um das Klima und die Zukunft“ fünf Thesen vorgestellt.

Im Beitrag fordern die Autoren, neu entwickelte Technologien ganzheitlich zu beurteilen und gegebenenfalls zu kritisieren. Dies berührt den strittigen Aspekt, ob sich Wissenschaftler auch in gesellschaftspolitische Fragestellungen einmischen dürfen, können oder müssen. Hieran ist exemplarisch zu erkennen, dass sich die Lehre immer mehr mit grundsätzlichen ethischen Fragestellungen wird auseinandersetzen müssen – sicherlich eine Herausforderung für ingenieurwissenschaftliche Fachgebiete, die sich tendenziell den Naturwissenschaften verbunden fühlen. Dabei sind Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften miteinander über ihre Ursprünge verbunden und seit jeher in ständigem Austausch sowie voneinander abhängig.

Die Ingenieurausbildung ist aktuell durch die Klimadebatte gefordert, Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu erarbeiten. Die Fridays-for-Future-Bewegung hat beispielsweise einen klaren Bezug zu Wissenschaften und argumentiert mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Daher müssen sich Hochschulen auf die neuen Ansprüche der Studierenden einstellen, um attraktiv zu bleiben. Dafür wiederum ist es notwendig, Lehrinhalte anzupassen und darüber hinaus sich nach innen gegenüber der entsprechenden Geisteshaltung zu öffnen. So befähigen sich die Hochschulen letztlich selbst, den Weg der Anpassung zu beschreiten sowie nach außen kommunizieren zu können.

Bild: Frank Magdans

Autor: Saša Jacob, im VDI zuständig für den Bereich Ingenieurausbildung.

Redaktion: Frank Magdans

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