Alles schon geregelt

Regenwürmer sammeln Schadstoffe

Ohne Regenwürmer wäre der Mensch aufgeschmissen. Denn durch ihre Lebensweise tragen die glibberigen Arbeiter maßgeblich zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei. Den meist verborgen lebenden Tieren wurde deshalb ein eigener Tag gewidmet: Heute ehren wir den Regenwurm. Sogar in Richtlinie VDI 4230 Blatt 2 haben die Lebewesen eine besondere Aufgabe.

Bild: Heike Homann

Steckbrief Regenwurm:

  • 46 Arten in Deutschland
  • je nach Art bis zu 30 cm lang
  • bis zu drei Meter lange Röhren
  • nachtaktiv; vertragen kein UV-Licht

Warum sind Regenwürmer so nützlich?

Regenwürmer ziehen abgestorbene Pflanzenteile in ihre Wohnröhren in der Erde und fressen sie dort. Die Reste scheiden sie als geringelte Kothäufchen außerhalb ihrer Wohnröhre wieder aus. So verwandeln sie totes Pflanzenmaterial, das sich sonst auf der Erdoberfläche ansammeln würde, in nährstoffreiche Erde. Die Gänge der Lebewesen belüften den Boden und lassen Regenwasser besser versickern. Das ständige Graben lockert außerdem den Boden auf.

Die unterschiedlichen Regenwurmarten haben sich auf verschiedene Bodentiefen spezialisiert. Manche leben in der Laubstreu oder im Komposthaufen, einige in der obersten Bodenschicht, und andere graben tiefe Gänge. Nützlich sind sie alle. Regenwürmer sind auch eine beliebte Nahrung vieler Tiere, darunter verschiedene Vogelarten, Igel, Dachse und Füchse. Die Würmer bleiben daher tagsüber lieber unter der Erde. Dort müssen sie nur den Maulwurf fürchten.

„Schadstoffsammler“ nach VDI 4230 Blatt 2

Durch ihre Eigenschaft, oberirdische Pflanzenreste zu fressen, nehmen Regenwürmer auch die an den Pflanzenteilen haftenden Schadstoffe auf. Diese Stoffe sammeln sich in Körper und Kot der Würmer an. Deshalb eignen sie sich als Untersuchungsobjekte, um Schadstoffkonzentrationen zu messen.

Die Messung der Schadstoffkonzentration im Gewebe der Würmer (ohne Wurmkot) erlaubt zum Beispiel Rückschlüsse auf die Schadstoffbelastung des Bodens. Um zu untersuchen, wie sich Schadstoffe in der Nahrungskette anreichern und vor allem die Endkonsumenten wie Vögel belasten, untersucht man den ganzen Wurm. Die Amsel frisst den Wurm ja auch komplett.

Die Richtlinie „Biologische Verfahren zur Erfassung der Wirkung von Luftverunreinigungen (Bioindikation) – Passives Biomonitoring mit Regenwürmern als Akkumulationsindikatoren“ (VDI 4230 Blatt 2) beschreibt, welche Würmer wann und wie gesammelt sowie untersucht werden sollen.

Wie fängt man Regenwürmer?

In der Richtlinie werden zwei verschiedene Methoden empfohlen, um die für die Proben benötigten 20 Würmer zu fangen. Zuerst wird bei beiden eine einheitlich große Bodenfläche für die Suche abgesteckt. Dann wird entweder gegraben oder die Tiere werden mit anderen Mitteln aus dem Boden gelockt.

Viele weitere, teils skurrile Wurmfangmethoden lassen sich auf den jährlich stattfindenden „World Worm Charming Championships“ in Großbritannien beobachten. Wer dort die meisten Regenwürmer aus einem zugeteilten Stück Rasen lockt, gewinnt. Der Rekord liegt übrigens bei 567 Würmern!

Bild: Frank MagdansAutor: Heike Homann

Redaktion: Frank Magdans

Ansprechpartnerin im VDI:
Dipl.-Geogr. Catharina Fröhling
Kommission Reinhaltung der Luft – Normenausschuss
E-Mail-Adresse: froehling@vdi.de

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Regenwürmer sammeln Schadstoffe

  1. Da merkt man wieder, wie sensibel unser Ökosystem ist. Ich bin gespannt, welche kurzfristigen Auswirkungen die Corona Krise auf unser Ökosystem hat. Vielleicht lernen wir dazu.

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