Was kann ich selbst tun, um die Insekten zu schützen?

Mehr Lebensqualität für Wildbienen

„Summ summ summ, Bienchen flieg herum. Ei, wir tun dir nichts zu leide, flieg nun aus in Wald und Heide. Summ summ summ …“, heißt es in einem altbekannten Kinderlied – umso trauriger ist die Tatsache, dass weltweit immer weniger Bienen umhersummen. Erfreulicherweise bilden sich zunehmend Initiativen, um ihren Erhalt zu sichern.

Bild: Angelika Baumann

Die Menschen machen es den fleißigen Insekten seit vielen Jahren nicht leicht: Die immer intensivere Landnutzung auf circa 50 Prozent der Fläche Deutschlands schränkt die Nahrungs- und Nistmöglichkeiten vieler Bienenarten zunehmend ein. Und selbstverständlich werden durch den Einsatz hochgiftiger Pestizide auch Bienen stark in Mitleidenschaft gezogen, obwohl dies nicht beabsichtigt ist. Denn Bienen sind ja gar keine Zielobjekte für den Pestizideinsatz.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Projekt BienABest vorgenommen, die Wildbienenvielfalt zu fördern. Es werden Wildbienenweiden angelegt und Nistplätze für bodenlebende Wildbienenarten in der Agrarlandschaft geschaffen. Hierzu haben Wissenschaftler*innen der Universität Ulm gemeinsam mit Herstellern von Wildsaatgut Blühmischungen aus regionalem Saatgut zusammengestellt, die speziell auf die Nahrungsansprüche verschiedener Wildbienenarten abgestimmt sind.

In sieben Bundesländern wurden im Herbst 2017 insgesamt 20 Standorte in der Agrarlandschaft ausgesucht, an denen Wildbienenweiden und Nisthügel für die bodenbrütenden Arten angelegt wurden. Dies ist besonders wichtig, weil der überwiegende Anteil der in der in der Agrarlandschaft lebenden Wildbienen im Boden nistet und dafür ungestörte Bereiche benötigt. „Nistkästen“ und „Bienenhotels“, die Händler anbieten oder Erzieher*innen in Kitas basteln, helfen hier leider nicht.

Wildbienen lebend bestimmen

Wildbienenexpert*innen untersuchen an den BienABest-Standorten mehrfach im Jahr, wie sich die lokalen Wildbienenpopulationen verändern, wenn ihnen über die gesamte Vegetationsperiode Nahrung und Lebensraum angeboten wird. Mithilfe eines Würfels aus Plexiglas lassen sich viele eingefangene Wildbienenarten aus der Nähe betrachten und lebend bestimmen. Anschließend werden sie unversehrt wieder frei gelassen.

Für die Untersuchung der meist solitär lebenden Wildbienenarten ist diese neue bestandsschonende Bestimmung besonders wichtig. Für eine klassische Bestimmung werden die Wildbienen eingefangen, getötet und im Labor mittels Mikroskopie untersucht, oder auch einfach nur die Masse gewogen. Dies ist jedoch gerade für seltene und stark bedrohte Spezies verheerend, weil sich diese dann nicht mehr vermehren können und die bedrohte Art zusätzlich durch wissenschaftliche Untersuchungen weiter gefährdet wird.

Eine bestandsschonende Erfassung der Wildbienenpopulationen im Feld unter Einsatz des Plexiglaswürfels setzt aber ein großes Know-how der Wildbienenexpert*innen und aufwendige Schulungen voraus, die ebenfalls im Rahmen des Projekts angeboten werden. Die Wildbienenexpert*innen starten jedes Jahr im April, wenn der Löwenzahn zu blühen beginnt, mit der Erfassung der Wildbienen auf den Wildbienenweiden und bei den Nisthügeln. Die Untersuchungen enden in Abhängigkeit von der Witterung meist Anfang September.

Nisthabitate für bodenbrütende Wildbienenarten

Die Nisthügel wurden zu Beginn des Projekts aus dem vor Ort vorhandenen Bodensubstrat aufgebaut. Sie werden regelmäßig frei von Bewuchs gehalten. Diese Hügel dienen als Nisthabitate für die bodenbrütenden Wildbienenarten, die mit circa 60 Prozent den größten Anteil unter den Wildbienen einnehmen.

Bei den Untersuchungen werden neben den Wildbienen auch Wetterdaten (Sonnenschein und Windaufkommen), die Struktur der umgebenden Landschaft (Anteil Naturräume, Agrarflächen, Hecken, Waldflächen) und der Intensivierungsgrad der Landwirtschaft (Düngung, Pestizide) dokumentiert, um deren Einflüsse auf die Wildbienenpopulationen auswerten zu können. Anhand dieser gesammelten Daten lässt sich die Entwicklung der Wildbienenpopulationen analysieren. So sind letztlich Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des zusätzlichen Angebots an Blühpflanzen und Nistgelegenheit möglich.

Bild: Frank Magdans

Was kann ich selbst tun, um die Wildbienen auf meinem Balkon oder im Garten zu schützen?

Mit einfachen Maßnahmen kann jede und jeder Einzelne zum Schutz der Wildbienen beitragen und damit sowohl den hohlraumnistenden Wildbienen, die in unserem Siedlungsumfeld häufiger anzutreffen sind, als auch den oft übersehenen bodennistenden Arten helfen.

Nistmöglichkeiten für hohlraumnistende Wildbienen

Möglichkeit A: Packen Sie glatte Bambus- oder Schilfrohre möglichst eng in eine alte Konservendose, kleben Sie die Rohre am Dosenboden fest und bringen Sie die Dose waagerecht in südliche oder südöstliche Richtung an.

Möglichkeit B: Verwenden Sie Holzklötze oder Baumscheiben, die bei der Gartenarbeit oder beim Fällen eines Baumes anfallen. Bohren Sie Löcher mit einem Innendurchmesser zwischen drei und sechs Millimetern. Dabei ist es wichtig, die Löcher mit feinem Schleifpapier glätten, damit sich die Insekten nicht an den Holzsplittern die Flügel aufreißen. Bitte verwenden Sie gut abgelagertes Hartholz, etwa von Esche, Buche oder Eiche und bitte keine Nadelhölzer, weil durch das Harz die Flügel der Insekten verkleben könnten. Eine Behandlung mit Holzschutzmitteln ist dringend zu vermeiden, um die Tiere nicht zu vergiften. Beim Bohren ist es wichtig, nicht in die Stirnseite der Hölzer, sondern in die Längsseite, also an der Seite der Rinde, zu bohren. Die Stirnseite kann beim Trocknungsprozess reißen und damit Brutröhren zerstören. Daher muss auch die Rinde der Holzstämme oder -scheiben entfernt werden, weil auch diese mit der Zeit reißen und Brutröhren zerstören kann.

Nistmöglichkeiten für bodenbrütende Wildbienen

Auch für die oft übersehenen bodenbrütende Wildbienenarten können mithilfe von Lehm und Sand geeignete Nisthilfe geschaffen werden:

Dazu drücken Sie einfach ein Lehm-Sand-Gemisch in eine Kiste und lassen es trocknen. Das richtige Lehm-zu-Sand-Verhältnis ist immer unterschiedlich, da verschiedene Lehm- und Sandarten auch verschiedene Härtegrade erreichen. Solange der Lehm noch weich ist, kann man mit einem kleinen Stock mehrere Löcher hinzufügen, um Wildbienen einen Startpunkt zum Graben ihrer Röhren zu geben.

Außerdem sollten über der Lehmwand und den anderen Nistgelegenheiten kleine Dächer aus Dachpappe oder Holzbrettern angebracht werden, damit die Larven vor Regen geschützt sind.

Nahrung für Wildbienen bereitstellen

Bienen mögen zum Beispiel Sonnenblumen, Margeriten, Glockenblumen, Wildrosen, Katzenminze, Brombeere, Himbeere sowie Wildblumen und Kräuter wie Lavendel und Thymian. Hingegen mögen Bienen keine exotischen Blumen oder Blumen mit gefüllten Blüten wie viele hochgezüchtete Chrysanthemen, Zuchtrosen, Pelargonien („Geranien“) oder Stiefmütterchen. Exotische Pflanzen und Pflanzen mit gefüllten Blüten eignen sich für Wildbienen nicht, da sie diese nicht als Pollen- und Nektarquelle nutzen können. Wenn die Sommer wie in den letzten Jahren sehr heiß und trocken sind, eignet sich als Bienentränke eine Schale Wasser. Diese füllt man am besten mit Steinen, damit die Insekten nicht darin ertrinken.

Bild: Heike Homann

Den Garten bienenfreundlich gestalten

Erfreulicherweise greift der Trend der naturnahen Gartengestaltung weiter um sich. Es ist ganz einfach und erhöht die Vielfalt in Ihrem Garten, wenn Sie eine Wildblumenwiese anlegen, einen Teil der Wiese weniger (nur zweimal im Jahr) und nicht vor Juni mähen oder einheimische Blumen und Sträucher pflanzen. In jedem Fall sollten Sie sich, den Wildbienen und anderen Tieren zuliebe unbedingt auf Pestizide verzichten. Außerdem können Sie offene Bodenstellen entlang von Pflastersteinen oder Wegen als Nistgelegenheiten freihalten. An Orten, an denen viele Sonnenstrahlen ankommen, eignen sich auch kleine Hügel aus Sand-Lehm-Gemisch mit Abbruchkanten als Nisthügel. Sie werden erstaunt sein, wie viel Leben Sie in Ihrem Garten beobachten können – erfreuen Sie ich daran!

Autoren: Angelika Baumann, Frank Magdans

Hinweis: Wir, der VDI Verein Deutscher Ingenieure (VDI e.V.), koordinieren das Gesamtprojekt BienABest. Verbundpartner ist die Universität Ulm. Das Projekt BienABest wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Weiterhin wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-WürttembergBASF SE und der Bayer AG finanziell unterstützt.

Weitere Informationen und Details zur Roten Liste:

Etwa 48 Prozent der in der Roten Liste bewerteten Bienenarten sind bestandsgefährdet oder schon ausgestorben; nur etwa 37 Prozent gelten als ungefährdet. Der Rest ist entweder extrem selten (fünf Prozent), steht auf der Vorwarnliste (acht Prozent) oder kann mangels ausreichender Daten nicht eingestuft werden (drei Prozent).

Quelle: https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Bienen-Hymenoptera-Apidae-1733.html

 

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