Interview mit Antoinette Beckert

„Für Interaktion und Austausch sorgen“

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag und die Arbeitswelt umgekrempelt. Besonders getroffen hat es unter anderem all jene, die sich um Veranstaltungen kümmern: Plötzlich muss alles online geschehen. Das hat auch Antoinette Beckert, Arbeitskreisleiterin des Netzwerks Frauen im Ingenieurberuf in Berlin-Brandenburg, zu spüren bekommen.

Bild: ZoFot/Shutterstock.comBeschreibe bitte deine Motivation, dich im VDI ehrenamtlich zu engagieren?

Antoinette Beckert: Als Arbeitskreisleiterin versuche ich, gemeinsam mit Anna Biermann, Claudia Wünsch und auch mit anderen Mitgliedern spannende Veranstaltungen zu kreieren. Meine Anliegen dabei sind: Die Möglichkeit geben, gute Verbindungen zu schaffen, die beruflich wie privat stärken und weiterbringen. Frauen möchte ich sichtbarer machen als Referentin in Veranstaltungen. Und selbst ein gutes Netzwerk aufzubauen beziehungsweise zu erweitern, das ist mir auch sehr wichtig.

Wie bist du dazu gekommen, Online-Veranstaltungen für das Netzwerk anzubieten?

Bild: privatBeckert: Mein Gedanke war, schnell aus der Not eine Tugend zu machen: Ich sah die Chance, einen größeren Kreis an Interessierten anzusprechen und habe aus diesem Grunde Philine Erfurt gefragt, ob sie ihre Veranstaltung „Aufsichtsrätinnen in Deutschland. Wie bekommen wir Zugänge?“ virtuell anbieten möchte. Und mit meiner eigenen Veranstaltung zum Thema Krisenkommunikation habe ich mit meinem Kollegen Stephan Köhler ein tolles und hochaktuelles Format kreiert, in dem wir bei den Mitgliedern Nutzen stiften, unsere Kompetenz zeigen und auch digitale Formate erproben konnten. Mit der Veranstaltung „Online-Veranstaltungen erfolgreich moderieren“ für VDI-Arbeitskreisleitungen wollte ich Hürden bei den Kolleginnen abbauen und sie inspirieren. Schließlich ist es in unserer aller Interesse, auch online gute Netzwerk-Veranstaltungen zu gestalten, die für Interaktion und Austausch sorgen.

Welche Herausforderungen sind dir dabei begegnet und wie bist du diese angegangen?

Beckert: Die erste Hürde war die Wahl und Bereitstellung der Plattform. Mir war daran gelegen, sehr schnell zu zeigen, was wir im Arbeitskreis Frauen im Ingenieurberuf draufhaben. Da ging mir der Beschaffungsprozess zu langsam. Also habe ich meine eigene Lizenz verwendet für die erste Veranstaltung. Der Bezirksverein hat es dann allerdings zügig geschafft, für weitere Veranstaltungen die Plattform sowie die technisch-organisatorische Unterstützung bereitzustellen. Der zweite Teil war natürlich, sich mit den didaktischen Möglichkeiten vertraut zu machen. Da habe ich mir einerseits in anderen Veranstaltungen etwas abgeschaut, andererseits einfach ausprobiert. Mir hat es auch immer wieder geholfen, mich in die Perspektive von Teilnehmenden zu versetzen. Was wäre für mich spannend, sinnvoll, hilfreich? Was brauche ich, um gut geleitet zu werden, auch wenn ich kein Technik-Freak und mit der Plattform noch nicht so vertraut bin?

Wie liefen Organisation und Durchführung?

Beckert: Die Organisation verlief fast einfacher als bei Präsenzveranstaltungen. Zum einen war es einfach, die Zugangsdaten bereitzustellen, zum anderen konnten wir auf Raumbuchungen verzichten. Da zudem die Anreise entfiel, konnten wir wirklich flott und in neuen Konstellationen agieren – beispielsweise auch mit der Veranstaltung, die Justinus Pieper vom Arbeitskreis Führung und Strategie und ich zum Thema „Ist Führung heute out oder anders“ gemeinsam gemacht haben. Auch die Idee, einige Veranstaltungen zentral über den VDI anzubieten, und ging problemlos über die Bühne.

Was hast du in dieser Zeit als Aha-Moment erlebt und gelernt?

Beckert: Während wir bei Präsenzveranstaltungen manchmal nur acht bis zehn Teilnehmerinnen haben und selbstverständlich nur welche aus Berlin-Brandenburg konnten wir jetzt bis zu 70 Teilnehmende aus ganz Deutschland erreichen. Das ist ein toller Erfolg und war wirklich ein Aha-Erlebnis. Auch ist es scheinbar so, dass wir zeitlich flexibler sind: wir haben einige Veranstaltungen bereits um 16 Uhr angeboten und guten Zuspruch gehabt. Gelernt habe ich, dass Netzwerken und Interaktion gut funktionieren, wenn ich zu Anfang einer Veranstaltung einen kleinen Check-In einbaue, eine kurze, interaktive Stimmungsabfrage und eine Breakout-Session zum Kennenlernen tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Teilnehmenden während der Veranstaltung zu Wort melden – egal ob im Chat oder mit einem Wortbeitrag. Das scheint sehr dazu beizutragen, nicht zu „fremdeln“.

Wie haben die Teilnehmenden reagiert?

Beckert: In unseren Veranstaltungen waren die Reaktionen und das Feedback sehr positiv. Ich habe zum Ende einer Veranstaltung beim Check-Out nach Feedback mit einer Skala gefragt, da waren wir immer ganz deutlich im hohen Bereich. Teilweise bekamen wir sogar im Nachgang noch Dankesnachrichten per E-Mail sowie Kommentare in sozialen Netzwerken. Also würde ich sagen, in Kombination mit der Erkenntnis, dass die Teilnehmenden in unseren Veranstaltungen rege mitdiskutiert haben, waren wir erfolgreich.

Interview: Tina Schaafs

Zur Person: Antoinette Beckert ist Diplom-Ingenieurin (Kartographie) und heute in der Organisationsentwicklung sowie im Coaching tätig. Beckert ist spezialisiert auf Ingenieurinnen in Führungspositionen. Sie ist seit 2015 Mitglied im VDI e.V. und in der Leitung des Netzwerkes Frauen im Ingenieurberuf des Bezirksvereins Berlin-Brandenburg aktiv.

Hinweis: Ende des Monats findet der Herbststammtisch für Arbeitskreisleiterinnen statt, kommende Woche die Futurium-Führung mit dem Titel „Zukunft entdecken und gestalten“: https://www.vdi.de/veranstaltungen/detail/fuehrung-zukunft-entdecken-und-gestalten-am-24092020

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