100-jähriger Todestag von Max Boner

Der letzte Gründer

Vor hundert Jahren, am 22. Oktober 1920, starb Max Boner. Er war Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und Letzter der 23 Gründer. Zum Zeitpunkt der Gründung gerade mal  22 Jahre alt, zählte Boner bereits zu den „Alten Herren“.

Bild: CanvaMax Boner wurde am 17. Mai 1833 in Recklinghausen als Sohn eines Rentamtmanns geboren, der damalige Begriff für einen Mitarbeiter der Finanzverwaltung. Er studierte am Königlichen Preußischen Gewerbeinstitut in Berlin und wurde dort Mitglied des „Akademischen Vereins Hütte“.

Bild: VDIZum Stiftungsfest anlässlich des zehnjährigen Vereinsjubiläums im Jahr 1856 war der mittlerweile in Gotha tätige Boner nach Halberstadt gereist. Doch das war nicht das letzte Ziel an diesem Pfingstwochenende: Am 12. Mai 1856, dem Pfingstmontag, bestieg ein Teil der Festgesellschaft mehrere Leiterwagen und machte sich auf den Weg in das knapp 35 Kilometer entfernte Alexisbad, unter Ihnen auch Max Boner. 23 Männer waren es schließlich, die an diesem Tag den Startschuss gaben: Sie gründeten den Verein Deutscher Ingenieure. Ihre Namen sind auf dem Denkmal, das sich mittlerweile im Innenhof des VDI-Hauses befindet, verewigt.

Da Boner sein Studium bereits beendet hatte und somit zu den „Alten Herren“ der „Hütte“ gehörte, war es ihm möglich, den VDI mitzugründen. Die heute bestehende Möglichkeit der studentischen Mitgliedschaft war in  den Anfangsjahren des VDI noch nicht gegeben.

Der Fremdsprachen-begabte Boner verbrachte den Großteil seines Berufslebens im Ausland. Wurde er anfangs von seinem Arbeitgeber nach London und Russland geschickt, so ließ er sich später als sogenannter Zivilingenieur im russischen Rostow am Don nieder. Er vertrat dort die Interessen deutscher Unternehmen und unternahm ausgedehnte Studien- und Geschäftsreisen; so auch 1906 nach Berlin zur VDI-Hauptversammlung. Anlässlich des 50-jährigen Vereinsbestehens wurde er dort zum Ehrenmitglied ernannt.

Die letzten Jahre seines Lebens verliefen wechselhaft. Blieb Boner von den Wirren der Russischen Revolution 1905 noch weitestgehend verschont, so hatten der Erste Weltkrieg und das Revolutionsjahr 1917 zur Folge, dass er nahezu mittellos verstarb.

Was heute, wo Nachrichten in Sekundenschnelle übertragen und geteilt werden, kaum noch vorstellbar erscheint: Der Nachruf auf Max Boner erschien in der „Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure“ erst im Juni 1921 und somit knapp acht Monate nach seinem Tod.

Autor: Dr. Christoph Sager, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss. Betreuung von Richtlinienprojekten zu den Themenschwerpunkten „Abgasreinigung und Emissionsminderung“

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