30 Jahre Wiedervereinigung

„Unterschiede auch im Vergleich zwischen Nord- und Süddeutschland“

Am 09. November 1989 erreichte die friedliche Revolution in Deutschland mit dem Mauerfall ihren Höhepunkt. Dieser historische Moment stellt einen Wendepunkt innerhalb der Weltgeschichte dar. Seither existiert in vielen Bereichen eine Kluft zwischen Ost und West. Wie steht ein Berufseinsteiger dazu?

Bild: Andrew Mayovskyy/Shutterstock.com

Felix, du hast in Braunschweig und Dresden studiert. Nun hast du Dresden zu deiner Lieblingsstadt erklärt. Wie kam es zu der Entscheidung, dorthin zu ziehen?

Felix Krause-Willenberg: Die Entscheidung, nach Dresden zu ziehen, habe ich eigentlich zweimal getroffen. Nach dem Bachelorstudium habe ich mich aufgrund meiner akademischen Ausbildung und der Suche nach neuen Erfahrungen für Dresden entschieden. Nachdem ich mir mit Hilfe meines VDI-Netzwerks einen Eindruck vom Studentenleben dort machen konnte, stand die Entscheidung für mich fest. Während des Studiums habe ich dann die Stadt und die Menschen besser kennen und sehr zu schätzen gelernt. Für mich hat Dresden in vielerlei Hinsicht den richtigen Mix aus historisch und modern, ländlich und urban. Aber letztlich haben mich die entstandenen Freundschaften dazu bewegt, in der Umgebung nach einem Job zu suchen. Gleich die erste Bewerbung war erfolgreich. Dementsprechend fiel mir meine Entscheidung, in Dresden zu bleiben, nicht schwer.

Die Wiedervereinigung liegt nun 30 Jahre zurück. Merkst Du trotzdem noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland im Alltag? Spielt die deutsch-deutsche Geschichte heute immer noch eine Rolle?

Bild: privatKrause-Willenberg: Vor meinem Umzug habe ich nicht über mögliche Unterschiede nachgedacht und dementsprechend auch nicht danach gesucht. Ich bin in einem vereinten Deutschland aufgewachsen und kenne Grenzanlagen nur als Mahnmale. In Dresden läuft alles im Takt einer typischen Großstadt, wo ich meine Bananen in den gleichen Geschäften wie in Braunschweig bekomme. Für mein Empfinden sind die ehemaligen strukturellen Unterschiede im Alltag kaum spürbar. In den ländlicheren Bereichen kann dies durchaus anders sein. Man wird unweigerlich Unterschiede im Vergleich zwischen den alten und den neuen Bundesländern finden. Unterschiede findet man aber auch im Vergleich zwischen Nord- und Süddeutschland.

Trotz immer noch niedriger Gehälter in Ostdeutschland im Ingenieurbereich: Siehst du deine berufliche Zukunft auch in Dresden?

Krause-Willenberg: Ich denke insbesondere die jetzt auf den Arbeitsmarkt drängenden Generationen und die Jungingenieure betrachten Geld nicht mehr als einzige Kennzahl für eine Karriere. Sicherlich ist das ein Punkt, der in der Karriere- und Lebensplanung mit der Zeit an Bedeutung gewinnt, aber die Freude am Job und die Arbeitsatmosphäre können genauso ausschlaggebend sein wie das Gehalt. Jeder muss für sich selbst eine geeignete Gewichtung finden und dann danach entscheiden. Wie und ob sich meine persönliche Gewichtung mit der Zeit verändert, kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Aber zuletzt habe ich mich für Dresden entschieden.

Was bedeutet es für dich, Ingenieur zu sein? Womit beschäftigst du dich gerade?

Krause-Willenberg: Ingenieur zu sein bedeutet für mich, Herausforderungen kreativ, lösungsorientiert und effizient gegenüberzutreten. Als Projektleiter im Sondermaschinenbau sehe ich immer wieder, dass es bei einer erfolgreichen Bewältigung einer Aufgabe vorrangig auf die Herangehensweise und die Perspektive ankommt. Diese Grundeinstellung lässt sich gleichermaßen auf technische, organisatorische oder kaufmännische Aufgaben jeglicher Größe anwenden.

Interview: Marion Tschorn

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*