Interview mit Andreas Wüllner

„Kein fachlicher Austausch ohne Debatte“

Was bedeutet es, sich im VDI ehrenamtlich zu engagieren und sein Wissen weiterzugeben? Wir haben dazu Andreas Wüllner befragt. Er ist Vorstandsvorsitzender des Bezirksvereins München, Ober- und Niederbayern.

Bild: picoStudio/Shutterstock.comWie sind Sie zum VDI gekommen?

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre habe ich Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften an der RWTH Aachen studiert. Zu meiner Zeit war eine VDI-Mitgliedschaft etwas Besonderes. Man war stolz, dabei zu sein. Ich bin nach dem Vordiplom in Maschinenbau in den VDI eingetreten. Allerdings war ich für viele Jahre nur Mitglied und nicht aktiv.

Was war die Motivation für Ihr ehrenamtliches Engagement?

Bild: VDIAlles startete mit einer Kaltakquise durch den damaligen Vorstand des Bezirksvereins München, Ober- und Niederbayern. Aufgrund meines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums fand ich mich nach einigen Gesprächen mit dem Vorstand als Schatzmeister im BV wieder. Diese Rolle habe ich bis Ende letzten Jahres ausgefüllt. Meine Motivation war es, nach vielen Jahren in der Industrie im In- und Ausland etwas im Ehrenamt zurückzugeben. Die Rolle des Schatzmeisters ließ sich mit meiner internationalen Verantwortung noch am besten vereinbaren, diente mir aber als Sprungbrett, den VDI besser kennenzulernen.

Inwiefern spielt das Netzwerken vor Ort eine wichtige Rolle für Ingenieurinnen und Ingenieure?

Ein Engagement in unseren Arbeitskreisen ist eine hervorragende Möglichkeit, andere Ingenieure und Unternehmen und damit die eigentliche Bandbreite dieses Vereins kennenzulernen. Selbst Veranstaltungen, die derzeit digital und in Zukunft sicher auch als hybride Formate angeboten werden, sind bestens geeignet, um sich zu vernetzen, vor allem aber auch, um sich fachlich auf Augenhöhe zu fordern und zu fördern. Selbstverständlich können digitale Angebote nicht die persönliche Begegnung ersetzen. Es gehört wohl zum Wesentlichen eines jeden Vereins, sich auf einer menschlichen Ebene auszutauschen. Zum Netzwerken gehört der fachliche Austausch, und ein fachlicher Austausch ist nichts ohne Debatte. Jede Debatte braucht wiederum einen verlässlichen Rahmen, in dem man auch unterschiedliche Standpunkte vertreten kann. Das ist ein Stellenwert, der mir persönlich sehr wichtig ist und den ich fördere. Ich denke jedoch, dass die Bedeutung des Netzwerkens je nach Lebenszeitpunkt variiert. Es macht einen Unterschied, ob ich als Young Engineer dabei bin oder als Professional, um nur zwei Möglichkeiten zu nennen. Entscheidend ist, dass wir eine fachliche Heimat in allen Lebensphasen bieten.

Welche Ziele verfolgen Sie in Ihrer neuen Rolle als Vorsitzender des BV München?

Mir liegen unsere Jungmitglieder sehr am Herzen. Ich möchte, dass wir beginnend bei den VDInis über die Altersgruppe der Zukunftspiloten und die Studenten bis zu den Jungingenieuren die Ingenieurwissenschaften wieder viel stärker als coolen Berufswunsch etablieren. Eine Wissensgesellschaft wie unsere braucht auch in Zukunft hervorragend qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure, ansonsten lässt sich weder das Wohlstandsniveau halten, noch lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit oder eine volkswirtschaftlich verträgliche Energiewende meistern. Weiterhin ist es mir sehr wichtig, dass wir unsere nicht aktiven Bestandsmitglieder viel stärker als bisher für den VDI interessieren und sie nachhaltig einbinden. Denn sie sind die Basis für einen Verein persönlicher Mitglieder, wie dem VDI. Um dies zu erreichen, planen wir tolle Formate, wie unseren VDI Tag für Mitglieder mit Familie und Freunden des VDI, dem VDI Preis oder unsere neueste Veranstaltungsreihe zur Ingenieurskunst, mit der wir die Schnittstellen zwischen Kunst und Ingenieurwissenschaften beleuchten wollen. Zur besseren Vernetzung nutzen wir im Bezirksverein unter den Ehrenamtlichen sehr intensiv digitale Medien und wollen dies zur Vereinfachung für die Vereinsarbeit konsequent weiter ausbauen.

Den Vorsitz mitten in der Krise zu übernehmen ohne persönliche Treffen ist sicherlich nicht sehr einfach. Wie erleben Sie gerade die Krisenzeit durch Corona im Bezirksverein vor Ort?

Durch die zuvor erwähnte, konsequente Nutzung digitaler Werkzeuge gestaltet sich die Übernahme des Vorsitzes einfacher, als man erwarten würde. Zudem kann ich mich auf sehr engagierte Kolleginnen und Kollegen im Ehrenamt verlassen, die mir den Wechsel vom Amt des Schatzmeisters zum Vorsitzenden leicht machen. Die Corona-Pandemie macht mir weniger Sorgen als die gesellschaftliche Entwicklung. Hier besteht Handlungsbedarf. Wir müssen die Begeisterung für Technik wieder entfachen. Technik darf nicht als notwendiges Übel dienen, denn sie ist die Basis für einen ressourcenschonenden Umgang mit unserer Welt, in der es viele Milliarden Menschen gibt, die nach mehr Wohlstand streben. Hier sind technische Lösungen gefragt.

Interview: Hanna Büddicker

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