VDI-Verbrauchertipp

Acht häufig gestellte Fragen zum Laden von Elektrofahrzeugen

Der stetige Zuwachs von E-Bikes, Elektro- und Hybridfahrzeugen auf Deutschlands Straßen macht es deutlich: Die Elektromobilität entwächst ihren Kinderschuhen. Das Thema „Laden“ wirft aber nach wie vor Fragen auf, die wir gerne beantworten.

Bild: otomobil/shutterstock.comVDI-Verbrauchertipps-Elektromobilitaet_702x363

Letztes Jahr verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt 3,2 Millionen neu zugelassene Pkw. Darunter befanden sich neben 12.363 Elektrofahrzeugen (+45,1 Prozent) auch 33.630 Pkw mit Hybridantrieb (+22,6 Prozent). Der Verkauf von 535.000 E-Bikes hat auch die Prognosen des Zweirad-Industrie-Verbands für das vergangene Jahr deutlich übertroffen. Der ZIV schätzt, dass mittlerweile 2,5 Millionen Elektrofahrräder den Radlern in Deutschland das Strampeln erleichtern. Deutschland wird also immer elektromobiler, im europäischen Vergleich sind wir aber noch weit weg vom Spitzenreiter Holland, der laut der European Automobile Manufacturers Association (ACEA) im vierten Quartal 2015 ein Zuwachs von stolzen 258,1 Prozent an alternativ betriebenen Fahrzeugen verzeichnen konnte. Trotz eines Plus von 43,7 Prozent deutlich dahinter, aber immer noch knapp 16 Prozent vor uns, ist Frankreich. Natürlich darf man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, denn die Entscheidung für ein Elektro- oder Hybridfahrzeug hat nicht nur mit dem Umweltgedanken allein etwas zu tun. Kriterien sind unter anderem die zur Verfügung gestellten Subventionen, die vorhandene Infrastruktur und das verfügbare Angebot an Elektrofahrzeugen. Genau die Gründe, weshalb Norwegen global gesehen die Nase vorn hat.

Eine wichtige Rolle bei dem Umstieg auf Elektromobilität spielen neben der Zuverlässigkeit von Elektroautos auch die Fragen bezüglich Stromversorgung, also dem Laden von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Dabei ist das einfacher, als man denkt.

Was benötige ich für das Laden meines Elektroautos zuhause?
Nicht viel: ein Mode-2-Ladekabel und eine Schuko-Steckdose. Allerdings sollten die Belastbarkeit der Steckdose und des Stromnetzes zuvor dahingehend geprüft werden, ob sie für die über einen längeren Zeitraum fließenden Strommengen ausgelegt sind, um eine Überhitzung oder gar einen Brand zu verhindern.

Welchen Stromanschluss brauche ich?
Auch hier braucht es keine Extrawurst, denn die meisten Steckdosen sind, ebenso wie die Ladekapazität eines Elektroautos, für 16 A ausgelegt. Das heißt aber auch, dass während des Ladens kein weiterer Verbraucher mehr angeschlossen sein sollte, sofern beide auf demselben Stromkreis hängen. Davon hängt auch die Antwort auf die nächste Frage ab.

Reichen meine Steckdosen?
Falls diese in Reichweite und technisch einwandfrei ist, reicht theoretisch eine. Falls aber zum Beispiel sich der Garagenanschluss noch den Stromkreis mit der Waschküche teilt oder sich in Stellplatznähe gar keine Steckdose befindet, dann besteht die Möglichkeit, eine Ladestation anzubringen. Diese lässt sich übrigens auch „regenerativ“ nutzen, indem man sie mit der hauseigenen Fotovoltaikanlage verbindet.

Wie hoch ist der Aufwand?
Das hängt ganz davon ab, was Sie benötigen. Fehlt der Stromanschluss, müssen die Leitungen verlegt, die Steckdosen und ein FI eingebaut und der Anschluss von einem Elektrofachbetrieb geprüft werden. Wenn Sie selbst die Schlitze dafür schlagen und die Kabel verlegen, sparen Sie sich natürlich die Kosten für den Handwerker. Die Abnahme muss aber trotzdem sein. Soll zusätzlich noch ein Stromzähler oder gleich eine Wallbox installiert werden, hängen die Kosten natürlich maßgeblich von der Wallbox selbst ab.

Wie lange dauert das Aufladen?
Das hängt von Ihrem Fahrzeug ab. So muss beispielsweise der A3 Sportback e-tron 4 Stunden an der Haushaltssteckdose hängen, um seine elektrische Gesamtreichweite von 50 km zu erreichen, der Mitsubishi Plug-in Hybrid Outlander braucht knapp 6 Stunden. Stromanschlüsse mit höherer Leistung beschleunigen den Ladevorgang deutlich, zuhause ist das aber oftmals kein kritisches Bewertungskriterium.

Wie geht das bei Mehrfamilienhäusern?
Haben Sie einen eigenen Stromanschluss am Stellplatz, der die zusätzliche Last aushält, kann der Nachbar das Laden nicht verbieten. Zapfen Sie auf Kosten der anderen Parteien, müssen Sie mit dem Gegenteil rechnen. Hier hilft entweder ein Stromzähler, natürlich wieder unter Berücksichtigung der Belastbarkeit des Stromnetzes und der Möglichkeit, dass auch die Mitbewohner auf Elektromobilität umsteigen, oder eine Wallbox. Diese Ladevorrichtungen verkürzen zum einen den Ladevorgang, zum anderen verhindern sie, dass das Stromnetz überlastet wird, wenn mehrere E-Autos in derselben Garage laden.

Brauche ich neue Zähler?
Ja, falls Sie wie eben erwähnt in einem Mehrfamilienhaus wohnen, bei dem die Stromkosten für gemeinsam genutzte Bereiche wie die Tiefgarage gleichmäßig auf die Parteien verteilt werden. Und ja, falls Sie Ihr Auto geschäftlich nutzen und den „Tankbeleg“ für die Steuer benötigen.

Gibt es Unterschiede zum Laden meines Elektrofahrrads?
Beim Elektro- oder Hybridauto kommt es darauf an, das passende Ladekabel zu haben. Also ein Mode-2-Kabel für den Anschluss an die Steckdose, ein Mode-3-Kabel für das Laden über eine Ladestation. So lange der Stecker passt, in Europa hat sich der Typ-2-Stecker durchgesetzt, können Sie sich auch das Kabel vom ebenfalls elektromobilen Nachbarn ausleihen. Beim E-Bike kommt es auf den Akku an: Bosch-Akkus etwa können mit Bosch-Ladegeräten mit passendem Stecker geladen werden, auch wenn das Rad von einem anderen Hersteller ist. Ebenso ist es bei Panasonic und einigen anderen Herstellern. Manche Anbieter verhindern dies durch das Energybus-System: Die Stecker rasten magnetisch ein, und der Ladestrom wird nur freigegeben, wenn die Geräte kompatibel sind. Vorsicht bei billigen Steckerlösungen, da bei diesen Kurzschlüsse und Selbstentzündung des Akkus nicht ausgeschlossen sind. Damit die Akkus lange leben, sollte also ausschließlich das mitgelieferte Ladegerät verwendet werden.

Wie spannend und abwechslungsreich das Thema Elektromobilität ist, zeigt auch die VDI-Ingenieurgeschichte von Celine Geiger, die es ins Silicon Valley zu Tesla verschlagen hat.

Und wie sieht es mit dem Laden unterwegs aus?
Beim Laden von Pkw unterwegs geht es meist um Ladegeschwindigkeiten, weil man sofort wieder weiterfahren möchte. Hier sind also hohe Ladeleistungen gefragt. Eine App kann helfen, die geeigneten Ladestellen in der Nähe zu finden. An Wechselstrom-Ladesäulen sind neben Typ-2-Steckdosen teilweise auch speziell abgesicherte Schuko-Steckdosen vorhanden. Das Ladekabel hierfür muss der Fahrer selbst mitbringen. Bei Ladesäulen mit Gleichstrom, sogenannte Schnellladesäulen, befindet sich das Ladekabel hingegen immer an der Ladesäule mit zwei Steckerarten: CHAdeMO und Combo (CCS).

In Zukunft sollte das Laden an Gebäuden noch weniger Kopfzerbrechen bereiten, denn bei vielen Neubauten wird die Elektromobilität bereits in der Planung nach der Richtlinie VDI 2166 berücksichtigt. Eine der darin dargestellt Lademöglichkeiten hat der VDI übrigens selbst schon am VDI-Haus in Stuttgart umgesetzt.

Aktuell hat die Regierung ein Förderprogramm verabschiedet, das den Kauf von Elektroautos ankurbeln soll und bereits ab Mai greifen soll. Insgesamt fließen rund 1 Mrd. EUR in dieses Programm, mit dem unter anderem auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter vorangetrieben werden soll.

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Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

 

 

Dieser Beitrag ist auch Bestandteil der Blogparade zum Thema Elektromobilität von ingenieurversteher.de.

Kommentare & Pingbacks

5 Gedanken zu “Acht häufig gestellte Fragen zum Laden von Elektrofahrzeugen

  1. Nette Übersicht – aber im Hinblick auf real nutzbare moderne Fahrzeuge fehlt wohl der Hinweis, dass man an einer mit 16 A abgesicherten Schuko-Steckdose wohl kaum die 70 – 90 kWh Akkus seines Autos aufladen möchte (das würde bei 60 kWh nämlich schon ca. 17 Std dauern). Daher ist ja wohl eher eine Drehstrom-Steckdose mit 3 Phase à 16 A zu empfehlen (was die Ladezeit auf ca. 6 Std. reduziert).
    Die derzeit real verfügbare Lade-Infrastruktur unterwegs weist zwar formal einige CHAdeMO Ladesäulen aus, von denen aber regelmäßig nicht mehr als 25% nutzbar sind (die restlichen sind entweder defekt, „zeitweilig außer Betrieb“, auf nicht öffentlich erreichbaren Grundstücken gelegen, oder mit Abrechnungssystemen versehen, die einen besonderen vorherigen Vertragsabschluss voraussetzen oder unverschämt teuer sind).
    Die einzige real verfügbare und funktionierende Schnelllade-Infrastruktur in Deutschland wurde von einem privaten Unternehmen aufgebaut, das (derzeit noch) die einzigen Elektroautos mit Reichweiten >350km vertreibt (= Tesla).
    Wo sind die vielfach angekündigten Modelle der deutschen Hersteller??

    • Hallo Herr Stettner,
      danke für Ihren Hinweis zu unserem Blogbeitrag.
      Grundsätzlich ist ein Ladevorgang an einer 16 A Steckdose möglich. So wie in der Übersicht dargestellt, ist dies nicht die von uns bevorzugte Variante. Den Schwerpunkt setzen die Verbrauchertipps nicht bei Ladestationen im öffentlichen Bereich sondern bei Ladevorgängen Zuhause, ein Thema, das bei der Anschaffung eines E-Fahrzeugs durchaus eine Relevanz hat. Weitere, vertiefende Hinweise, auch zu Ladestationen an Gewerbegebäuden, enthält zum Beispiel die Richtlinie VDI 2166 Blatt 2.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dipl.-Ing. Thomas Terhorst
      Geschäftsführer in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik

      Hier finden Sie unsere Kontaktdaten:
      http://www.vdi.de/technik/fachthemen/bauen-und-gebaeudetechnik/kontakt/

  2. Meine Frage: Wir haben zu unserer Eigentumswohnung einen Tiefgaragen-Stellplatz. In der Garagenordnung steht, dass Batterien nicht geladen werden dürfen wegen einer möglichen Explosionsgefahr. Sind damit die Ladestationen für E-Fahrzeuge bei uns unzulässig? Und sind auch Ladegräte zum Laden für herkömmliche Pkw nicht erlaubt?
    Was sagen das Baurecht und die Gebäudeversicherung dazu?

    • Guten Tag Herr Margull,

      in der genannten Richtlinie heißt es dazu: „Grundsätzlich dürfen Elektrofahrzeuge in privaten und öffentlichen Garagen abgestellt werden. Auch beim Ladevorgang von Elektrofahrzeugen bleibt es bei der ursprünglichen Nutzung als Garage. Durch den Ladevorgang entstehen bei Elektrofahrzeugen nach UNECE R100 keine zusätzlichen Gefahren, konstruktive Sicherheit ist gegeben, u. a. ist keine Bildung von entzündlichen Gasen beim Laden zu erwarten.“
      Damit unterscheiden sich diese Ladevorgänge vom Laden von Fahrzeugen wie Gabelstablern oder herkömmlichen Verbrennungsfahrzeugen mit Bleibatterien, die weitere Maßnahmen erfordern. Im Baurecht werden Garagen damit ausdrücklich nicht zu „Batterieräumen“.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dipl.-Ing. Thomas Terhorst
      Geschäftsführer in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik

  3. Pingback: DRIVE-E – Plattform für Ideen zur Elektromobilität. | VDI 

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