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Bild: ESB Professional/Shutterstock.com
Digitalisierung Verantwortung

DigitalisierungDatenkompetente Bürger

Daten bilden das Fundament der Digitalisierung, denn deren verantwortungsvolle Nutzung ermöglicht ein breites Spektrum an sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Innovationen. Doch hierzu braucht es eine digital mündige Gesellschaft.

Der Wettkampf um die Trophäen in der Digitalisierung für technischen Fortschritt und Innovationen findet heute im Wesentlichen zwischen den USA und China statt. Deutschland und ganz Europa dürfen brav auf der Tribüne zuschauen. Allerdings: In dem Wettkampf geht es nicht allein um Trophäen. Innovationen sind der Treibstoff für die Wirtschaft, und der soziale Wohlstand ist das Ziel. Doch was wird aus unserem in der Vergangenheit hart erarbeiteten Wohlstand und unserer Spitzenposition als Exportweltmeister, wenn wir digital nur in der zweiten Liga spielen?

Den Kampf um den Impfstoff gegen den Krankheitserrger SARS-CoV-2 haben wir gerade noch mit einem blauen Auge überwunden. Ein deutsches Unternehmerpaar mit Migrationshintergrund hat gegen gesellschaftliche Ressentiments jahrelang an genbasierten Impfstoffen geforscht, die nun die Gesellschaft von der Corona-Pandemie befreien. Ohne die Digitalisierung in den Forschungsmethoden und in der weltweiten Kommunikation wäre diese Entwicklungsarbeit gänzlich anders gelaufen – oder sogar gescheitert.

Wir beklagen die Übermacht ausländischer Digitalriesen ...

Der digitale Onlinehandel hat uns im Lockdown versorgt, im digitalen Homeoffice in Arbeit gehalten. Trotzdem gibt es immer noch eine breite Abwehrhaltung gegen die Digitalisierung in Unternehmen und in der Gesellschaft. Statt einen gesellschaftlichen Diskurs zu führen, zum Beispiel Datenschutzrecht versus Freiheitsrecht, klagen wir über die Übermacht ausländischer Digitalriesen. Ja, wir sehen uns sogar bedroht. Aber ist das eigentlich die richtige Haltung?

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, schrieb Emanuel Kant 1784. Also sollten oder besser noch müssen wir uns die Lage von allen Seiten genau anschauen und aufklären. Daten bilden das Fundament der Digitalisierung. Denn deren verantwortungsvolle Nutzung ermöglicht ein breites Spektrum an sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Innovationen.

Das Zusammenleben durch digitale Dienste bereichern

Gerade mit der Corona-Pandemie wurde der Welt vor Augen geführt, dass ohne eine schnelle und uneingeschränkte Verbreitung und offene Nutzung von (personenbezogenen) Daten weder eine erfolgreiche Eindämmung der Pandemie noch die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes möglich gewesen wären. Zurecht klagen wir daher über die papierorganisierte Bürokratie, die auf der letzten Meile das Impfen verzögert und das Zurückkehren in die Normalität nicht kontrollieren kann. Aber auch im Kleinen ergeben sich durch die innovative Nutzung von Daten vielfältige Möglichkeiten, das gesellschaftliche Zusammenleben durch digitale Dienste zu bereichern.

Damit diese Dienste ihr volles Potenzial entfalten können, müssen sie von der breiten Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert und aktiv mitgetragen werden. Daher ist es nicht nur notwendig, die technologischen Grundvoraussetzungen für digitale Innovationen zu schaffen. Es muss uns auch gelingen, einen gesellschaftlichen Konsens über den Nutzen gegenüber den Risiken digitaler Dienste auszuhandeln, um das erforderliche Vertrauen aufzubauen. Hier sind zunächst sowohl Hersteller als auch Anbieter gefordert, ihre Systeme transparent zu gestalten. Denn Nutzer sollten zu jeder Zeit nachvollziehen können, welche Daten erhoben, gespeichert und Dritten zugänglich gemacht werden.

Vertrauen allein genügt nicht

Zur souveränen Nutzung datenbasierter Systeme ist Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit Daten allein aber nicht ausreichend. Denn die Wahrung des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung setzt das Wissen eines jeden Einzelnen voraus, ohne dass ein Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Freiheit nur schwer möglich sind. Die Verbreitung dieses Wissens ist eine Bring- und eine Holschuld! Daher sind sowohl die aktive Aufklärung und die Bildung der Bürgerinnen und Bürger eine wesentliche Voraussetzung für ein Gelingen als auch die aktive Beschaffung und Verarbeitung dieses Wissens durch alle Beteiligten.

Der unabhängige und souveräne Umgang mit Daten und datenbasierten Diensten ist somit Grundvoraussetzung für selbstbestimmtes Handeln in einer digitalisierten Welt. Je detaillierter das Verständnis der eingesetzten Technologien, desto besser lässt sich die Auswirkung des eigenen digitalen Handels abschätzen. Allerdings erfolgt der Erwerb digitaler Kompetenzen trotz deren hoher Bedeutung meist wenig strukturiert und allzu oft autodidaktisch. Dies gilt insbesondere für ältere Bürgerinnen und Bürger und nicht berufstätige respektive in Ausbildung befindliche Personen. Und Großeltern lernen von den Enkeln; Schüler hingegen organisieren sich selbst ...

Alle gesellschaftlichen Schichten (aus)bilden ...

Die Schaffung eines breit gefächerten Bildungsangebotes, das alle Bevölkerungsgruppen erreicht und von diesen nachgefragt wird, stellt daher eine wichtige Voraussetzung für eine datenkompetente Gesellschaft dar. Schon in der Schule muss daher das Einmaleins im Umgang mit den digitalen Diensten gelernt werden, am besten durch dessen Anwenden und Nutzen im Schulunterricht.

Dies bedingt selbstverständlich kompetente Lehrkräfte, die systematisch aus- und weitergebildet werden. Eine adäquate Ausstattung der Schulen ist dabei genauso eine Voraussetzung wie eine aufklärende und vor allem motivierende Didaktik. Eine Erweiterung um die Erwachsenenbildung für alle gesellschaftlichen Gruppen schließt dann auch die letzte Lücke zur digital mündigen Gesellschaft.

Viele Fragen, die einer rascher Klärung bedürfen

Die Datenstrategie der Bundesregierung und die hierin abgeleiteten Themen- und Handlungsfelder sind sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weitestgehend offen bleibt aber die konkrete Umsetzung. Hier hat der VDE mit seinem Positionspapier zur Digitalen Souveränität bereits Stellung bezogen und insbesondere auf die Notwendigkeit der informatorischen Grundausbildung hingewiesen. Aber auch in Bezug auf die Verankerung relevanter Themen in Ausbildungs- und Lehrplänen gibt es noch viele Fragen, die einer rascher Klärung bedürfen.

So fallen Fragen der (schulischen) Bildung bekannter Weise in den Verantwortungsbereich der Länder und werden somit zum Teil recht unterschiedlich beantwortet. Nicht erst seit der Bekämpfung der gegenwärtigen Pandemie wissen wir, dass eine national einheitliche Strategie bei der Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen nicht nur wünschenswert, sondern notwendig ist.

Unsere Autoren

Prof. Frank Mantwill, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg (VDI IGDT)
Prof. Dr. Dr. Dr. Carsten Röcker, Fraunhofer IOSB-INA (VDI IGDT)

Kommentare

Inzwischen hat 1 Leser einen Kommentar hinterlassen.
Reiner Hulsch | 25.08.2021

Eine PISA-Studie zur digitalen Kompetenz in den Schulen sollte für Aufklärung des Wissensstand bei unseren Schülern durchgeführt werden. Grundvoraussetzung zur Ausbildung in den Schulen ist selbstverständlich die gute Ausbildung der Lehrkräfte in den Schulen, doch sind die Lehrkräfte in den Unis überhaupt dazu in der Lage und haben die das entsprechende Wissen?

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