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ERKLÄRT
Grafik boxender Figuren
Bild: Bahau/Shutterstock.com
Wissenswertes

Nachgefragt! #vdiwwWie hart schlägt eine Faust?

Wir haben alle schon einmal einen Boxkampf gesehen. Gerade bei den Schwergewichtlern geht es da ordentlich zur Sache, nicht selten enden Kämpfe mit einem K.o.-Schlag. Wie hart kann so eine Faust eigentlich schlagen?

Auf die Geschwindigkeit kommt es an

Unser VDI-Experte Dr. Martin Follmann fasst die Ausgangslage für uns zusammen: „Wie kräftig eine Faust schlägt, lässt sich durch die Schlagenergie ausdrücken. Die Schlagenergie ist die Energie, die frei wird, wenn zwei Massen aufeinander prallen, hier also die in Handschuhen gepolsterte Faust des Boxers auf den Körper oder den Kopf des Gegners. Physikalisch betrachtet handelt es sich um die kinetische Energie T, deren Größe abhängt von der Masse und der Geschwindigkeit des bewegten Körpers, also der Faust. Die Schlagenergie hat – wie andere Energieformen auch – die Einheit Joule und es gilt:

Vor allem die Schlaggeschwindigkeit ist wichtig: Je schneller der Schlag, desto größer ist die Schlagenergie. Daher ist für einen besonders kräftigen Schlag das Training der sogenannten Schnellkraft wichtiger, als das Training der Maximalkraft oder der Kraftausdauer – wobei die Schnellkraft aber auch von der Maximalkraft abhängt. Für die Auswirkung eines Schlags ist neben der Kraft auch entscheidend, wie viel der kinetischen Schlagenergie auf den Gegner übertragen wird. Wird das bewegliche Kinn getroffen und der Kopf in eine ruckartige Bewegung versetzt, ist die Übertragung der kinetischen Energie besonders groß, weswegen das Kinn als ein klassischer K.o.-Punkt gilt.

Zur Frage, wie hart eine Faust schlägt, findet man im Internet oft Angaben nicht in Joule, sondern – vereinfachend – in Kilogramm. Über Mike Tyson ist zu lesen, dass seine Schlaghärte im Zenit seiner Leistungsfähigkeit bei 590 Kilogramm gelegen habe.

Wie hart schlägt Wladimir Klitschko?

Wie das in der Praxis aussieht, das haben wir einmal beim ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko nachgefragt. Im Jahr 2014 kam es für ihn zu einem Box-Kampf um den IBF Weltmeisterschaftstitel im Schwergewicht. Dabei entstand ein Foto, bei dem die Wucht des Schlages deutlich zu sehen ist – ein angespanntes Gesicht beim Schlagenden und die entgleisenden Gesichtszüge des Getroffenen. Doch was für Kräfte wirken eigentlich bei einem solchen Schlag?

Wir sind der Frage weiter nachgegangen und haben vom Ausführenden dieses Schlages und Besten seines Fachs eine Antwort bekommen: IBF und IBO-Schwergewichtsweltmeister, WBO und WBA-Superchampion sowie „The Ring Magazine“”-Champion Dr. Wladimir Klitschko. Seine Antwort: „Schlagkraft alleine reicht nicht aus, um Weltmeister zu werden. Man muss sich Ziele setzen, akribisch und fokussiert trainieren und immer motiviert bleiben. Schließlich benötigt ein Ingenieur auch mehr als nur sein Werkzeug, um für seine Arbeit bestmöglich vorbereitet zu sein. Er muss planen, Herausforderungen meistern sowie ein Team leiten und motivieren“.

Power und ein kluger Kopf

„Ich musste mich, neben dem körperlichen Training, auch taktisch und mental auf jeden Gegner perfekt vorbereiten. Bis es zum Kampf im Ring kommt, steckt viel gedankliche Arbeit von meinem Team und mir in der Planung. Zum Beispiel: Wie muss ich mich ernähren? Auf welche Fertigkeiten des Gegners muss ich mich besonders einstellen? Wo liegen meine Vorteile? Es braucht Power, um erfolgreich zu sein, aber natürlich auch einen klugen Kopf“.

Kommen wir zur Schlagkraft: „Bei meinem Weltmeisterschaftskampf, gegen Kubrat Pulev in Hamburg, wurde beim K.o.-Schlag durch meinen linken Haken eine Schlagkraft von ca. 300 Kilogramm geschätzt. Die stärkere Hand ist allerdings meine Rechte. Ein Volltreffer mit meiner Schlaghand erreicht laut Messungen eine Wucht von 700 Kilogramm. Damit habe auch ich nicht gerechnet, aber wie man sieht, zahlt sich hartes Training auch auf die Kraft aus.“

Autorin: Eva Holden

Über #vdiww

„VDI Wissenswertes Wissen“ (#vdiww) ist ein Themenformat des VDI. Darin geht es um alltägliche Themen, die uns interessieren und beschäftigen. Mit #vdiww schafft der VDI Abhilfe und beantwortet gemeinsam mit seinen Partnern Fragen des täglichen Lebens.

Kommentare

Inzwischen haben 10 Leser einen Kommentar hinterlassen.
Roland H. | 28.10.2023

Hierzu Folgendes von meiner Seite:
1. Der Boxer setzt sein Körpergewicht nur als "Druck-Stütze" ein. Er beschleunigt ja nicht seinen gesamten Körper auf 50 km/h. Sondern tatsächlich nur die Faust. Evtl. könnte man den Unterarm noch als beschleunigte Masse hinzurechnen aber das wars dann auch.
Ferner entsteht durch die Presswirkung des Körpers eine zusätzlich Kraft. Die ist aber so nicht ohne weiteres berechenbar.
2. Die "Schlagkraft" in Kg - wie sie auch gerne auf Jahrmärkten getestet wird - entsteht über den Impuls und die Arbeit als Folge dessen dass die vom Körper des Boxers abgestützte Hand in den Körper eindringt bzw. ihn sogar (zum Teil) verdrängt.
Es ist ein wenig so wie wenn man auf eine Wage springt. Bei analogen ist das schöner zu sehen wie da mal die Nadel schnell auf 200, 300 Kg springt. Als Kämpfer schlägt man DURCH den Gegner. Es zählt also bei weitem nicht nur die Energie aus Faust(+Unterarm) und Geschwindigkeit.
Letztlich kann man die kinetische Energie eines solchen Schlages schon messen (nicht aber berechnen). Man kommt auf ca. 250 Joule bei einem durchschnittlichen Erwachsenen.
Eine Gewehrkugel hat ca. 400 Joule (durchschnittliche Waffe).
Das zeigt sich auch in der Praxis. Trifft eine solche auf eine schusssichere Weste fühlt es sich für den getroffenen an, wie ein kräftiger Schlag.
Eine größere Waffe (Sturmgewehr) hat dann schnell mal 1500 Joule und schon haut es einen aus den Latschen wenn man getroffen wird.
Ein Schwergewichts-Profiboxer kommt wohl knapp auf eine ähnliche Energiemenge.

Johannes | 02.01.2023

Die Angabe von kg als Energie ist physikalisch ja so nicht richtig. Und ein Kampfsportler bzw. hier ein Boxer kann als beschleunigte Masse maximal sein eigenes Körpergewicht einsetzen, meist sind es aber vielleicht ca. 60-70% davon. Wenn also ein Schwergewichtsboxer z.b. 110 kg wiegt und mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h schlägt, dann beträgt seine Schlagenergie nach W=0,5mv^2 ca 7,4 kJ.

Aber der Impuls als relevante Größe klingt logischer, wie in einem anderen Kommentar geschrieben wurde.

Heinz Kiefer | 04.07.2022

Lieber Andres, du siehst es etwas falsch.
Es ist nicht alleine die Geschwindigkeit des Schlages die sehr wichtig ist, denn genau so wichtig ist eben die persönliche Schlagkraft.
Beides zusammen ergibt die optimale Schlagstärke.
War Leichtgewichtboxer und hatte eine Schlagkraft von weit über 300kg
Viele Grüße Heinz

Spackianer | 24.02.2019

Alta wenn du vom Klitschko uf die Fresse kriegsch bisch so oder so K.O.

Andres | 14.12.2018

Ja das ist schon traurig so etwas auf der Seite des VDI lesen zu müssen. Wenn ich die angeblichen 700 kg von Klitschko in die oben stehende Formel einsetze und von einer Geschwindigkeit von 50km/h ausgehe, komme ich auf 135kJ, das wäre 45 mal so viel wie das Geschoß eines G3-Gewehrs. Das muss doch auch dem Author auffallen, dass das Quatsch ist.

Maximilian Glanz | 07.06.2018

Und wieviel Joule sind denn nun "300 kg"? Unter Joule könnte ich mir etwas vorstellen, aber unter kg als Größe für Schlagenergie? Was soll das sein?

Dominic HE | 26.11.2015

Schach ! ;)

Ralf Pfeifer | 02.07.2015

Wieder die alte falsche Geschichte von der Schlag-"Energie".

Auf die (maximale) Kraft kommt es an, die über die lokale Flächenpressung der Auslöser von Schäden.
Kraft ist nach dem 2. Newtonschen Axiom die zeitliche Änderung des Impulses - Masse und Geschwindigkeit sind also gleichberechtigt.

Außerdem setzt der Boxer hinter einen Schlag auch seine Körpermasse. Grob abgeschätzt ist die um die 8-fach höher, als die Masse von Arm+Faust.

Von der Hillschen Kurve will ich jetzt gar nicht anfangen ...

Harry | 27.12.2014

Curling - faszinierende Mischung von Präzision und Taktik.

Tobias Bauch | 22.12.2014

Im Schach.
Für mich eines der strategischsten Spiele

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